Stand der Dinge.

Heute gratuliert mir WordPress zum Einjährigen. Seit einem Jahr betreibe ich nun also diesen Balkongarten-Experiment-Blog. Es war eine spannende Zeit, ich habe viel gelernt und starte motiviert in die zweite Gartensaison. Leider fehlt mir gerade glatt die Zeit und Energie, das einjährige Bestehen des „Nordwestbalkons“ gebührend zu feiern – oder wenigstens einen besonders kreativen Beitrag über ein innovatives Thema zu schreiben. Nagut: dann einfach später – versprochen. Schließlich tut sich gerade vieles rund meine neue Pflanzenanzucht und meinen Balkon. Aber dazu später mehr – in jeweils eigenen Beiträgen. Einen Vorteil hat es, wenn ich momentan kaum zum Schreiben komme: später habe ich dann mehr Erfahrungen gesammelt und kann differenzierter schreiben. Also hier vorerst nur zum momentanen Wachstumsstand rund um meine selbstausgesäte Flora.

Mitte März auf der Fensterbank

Auf meiner Südfensterbank wächst in diesen sonnigen Tagen alles ganz wunderbar – die ersten Pflänzchen sind schon so groß, dass man langsam sieht, was es mal werden soll. Hier einige Impressionen:

Basilikum[Basilikum und Zitronenbasilikum – Aussaat: 18.02.]

Kinderstube_es wächst

[Ein Teil des Kindergartens auf der Fensterbank. Hier zu sehen: Johannisbeertomaten, Tomate „Cerise gelb“, Basilikum und weiße Habanero]

Schwarzäugige Susanne

[Schwarzäugige Susanne. Aussaat: 25.02.]

Heute sind die zwei kräftigsten der fünf Schwarzäugigen Susannen an ihren entgültigen Bestimmungsort gezogen. Vor 1-2 Wochen hatte ich sie gemeinsam in einen kleineren Topf gepflanzt, wo sie nun aber schon sehr zusammengekuschelt standen. Heute habe ich sie daher kurzer Hand in den Flechtkorb gesetzt, wo sie nun auch genug Platz zum Wachsen und Ranken haben. Den schönen Korb mit integrierten Stäben für Rankepflanzen habe ich von meiner Mutter erhalten, nachdem er in ihrem Keller jahrelang rumgelegen hatte. Viel zu schade dafür! Ich habe mich gleich verliebt und hoffe, dass sich diese Kombination in diesem Sommer dekorativ entwickelt.

Am letzten Wochenende habe ich eine neue Aussaatrunde in einem meiner Fensterbankgewächshäuser gestartet. Diesesmal habe ich wenige Samen von rotem Kohlrabi, Orangengewürztagetes und Neuseeländerspinat ausgesät. Neuseeländerspinat ist leider eine lichtliebende Pflanze und braucht einen sonnigen Standort, den ich auf Dauer nicht bieten kann. Aber da ich die Samen in der Samenrotation erhalten habe, versuche ich es eben doch mal. Mit Orangengewürztagetes, die übrigens auch sehr gut in Mischkultur gegen wurzelnknabernde Fadenwürmer wirkt, habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und freue mich auf die duftenden, kleinen Blumen. An Kohlrabi versuche ich mich hingegen auch zum ersten Mal und hoffe, dass ich ihn großgezogen bekomme.

Balkonimpressionen

Und auch auf meinem Balkon wächst und gedeiht alles – so langsam. Einiges an Radieschen und Salat ist bereits gekeimt und die Kräuter treiben weiter aus.

Kubaspinat setzt zum Blühen an[Der Kubaspinat setzt zur Blüte an. – Aussaat aus dem letzten Herbst.]

Radies[Gekeimtes Radieschen „Saxa II“ im Balkontopf.]

Neben Salat und zwei Sorten Radieschen habe ich gestern noch einige Samen Gartenmelde „Voll rot“, Mairübchen die Milano, roten Rettich „Hilds Neckarruhm“, Portulak Gruner und Hirschhornwegerich in die Töpfe gesät.  Ich bin bin gespannt, ob die Saat aufgeht und ich bald frisches, junges Gemüse ernten kann. Besonders gespannt bin ich auf Portulak und Hirschhornwegerich als kreative Salatbeigabe. Und auch die Mairübchen sind mein erster Versuch – letztes Jahr habe ich schließlich nur wenige, kleine Radieschen ernten können. Die Rettichsaat habe ich geschenkt bekommen und mal vier Samen in einen tiefen Topf zwischen die noch übrigen Feldsalatpflänzchen gesteckt – ich muss es ja wenigstens mal ausprobieren. – Leider tummeln sich zur Zeit enorm viele Blattläuse auf meinem Balkon, aber zu diesem Thema und biologischen Gegenmaßnahmen in einem späteren Beitrag…

Ich wünsche ein nicht zu kaltes und regnerisches Wochenende!

Advertisements

Gartenjahr No. 1: Kräuter auf dem Nordwestbalkon.

Hiermit eröffne ich eine Beitragsreihe, in der ich zurückblicken  möchte auf mein erstes Jahr als Balkongärtnerin. Da ich mich innerhalb der letzten Monate an erstaunlich vielen Saattütchen und Pflänzchen vergriffen habe, um sie mehr oder weniger erfolgreich in Kübeln zu kultivieren, werde ich meine Rückblicke thematisch ordnen. Es folgen verschiedene Beiträge über meiner ersten Gartenerfahrungen mit Kräutern, Obst, Salat, Gemüse und Blühpflanzen. Heute widme ich mich zunächst den Kräutern.

Wie hat es also geklappt auf meinem Nord(west)balkon, der nur wenige Stunden täglich wirklich Sonne bekommt? Welche Kräuter haben es mir angetan und werden im kommenden Jahr auch wieder ihren Weg in meine Töpfe finden?

Als Pflanzen habe ich Currystrauch, Liebstöckel, Pfefferminze, Thymian und Zitronenmelisse gekauft. Alle außer der Pfefferminze kamen von einem Gärtner. Die Minze hatte ich bei einem Supermarkt um die Ecke erstanden – eigentlich zum direkten Einsatz bei einem sommerlichen Cocktailtrinken auf meinem Balkon, aber ich habe sie dann kurzerhand noch eingepflanzt und sie entwickelt sich bis heute ganz wunderbar. Fast alle Pflanzen haben das Gartenjahr überlebt und ich bin gespannt, was im Frühjahr neu austreibt. Lediglich den Liebstöckel habe ich entweder falsch gepflegt oder er mochte es einfach  nicht in meinem Balkonkübel. Nachdem ich ihm dabei zugesehen hatte, wie er abwechselnd gelb wurde und dann wieder neu austrieb, habe ich ihn irgendwann – in einem jämmerlichen Zustand – kurzer Hand entsorgt.

Saatguttütchen haben in der „Ich habe endlich einen Balkon“-Euphorie und in der „Dieser Winter ist viel zu lang“-Frustration im letzten Frühjahr eine ganze Menge ihren Weg in meine Wohnung gefunden. Ich bin selbst erschrocken, als ich heute mal meinen Bestand gesichtet habe. Hierunter befinden sich: Blutampfer „Bloody Dock“, Salbei, Echter Majoran, Schnitt-Sellerie „Westlandse“, Ysop, Schnittknoblauch, Pimpinelle, Kerbel, Zitronenbasilikum, Pfefferminze und Parakresse.

Relativ problemlos war die Anzucht und Kultivierung von:

  • Ysop: Obwohl er angeblich viel Sonne braucht, hat er sich in meinen Töpfen zu ansehnlichen Pflanzen entwickelt. Geblüht hat er zwar nicht, aber er hat sich gut entwickelt und schien robust. Leider hat mich hier der Geschmack nicht so überzeugt – bzw. ich habe noch nicht rausgefunden, wofür man ihn wirklich gewinnbringend einsetzen kann. Ich kenne aus der Museumspädagogik einer kleinen Unesco-Weltkulturerbestätte, in der ich mal gejobbt habe, ein mittelalterliches Hustensiruprezept mit Ysop – aber das ist nunmal nicht so alltagstauglich.
  • Schnitt-Sellerie: Wuchs in den ersten Wochen relativ langsam, in kühleren Herbsttagen ist er aber förmlich explodiert. Er hat sich wirklich gut gemacht und auch seinen Weg in meine Kochtöpfe gefunden. Ich finde das ist ein prima „Kraut“ für herbstliche Suppen und Eintöpfe.
  • Echter Majoran: Auch relativ unproblematisch – hat sich zu ansehnlichen Pflanzen entwickelt. Allerdings wurde er von Blattläusen geliebt, so dass ich einige meiner Pflanzen irgendwann genervt entsorgt habe.
  • Salbei: Aus meiner Anzucht existieren heute noch zwei ansehnliche Pflanzen. Die eine schwächelt langsam auf dem Balkon, die zweite steht auf meiner Fensterbank. Er muss viel gegossen werden. Aber ansonsten geht es ihm auch auf dem Nordwestbalkon gut – vielleicht wächst er nur nicht so schnell und ist nicht so raumgreifend wie auf sonnigeren Balkonen, aber das finde ich sogar ganz praktisch. Im Herbst habe ich ihn gestutzt und getrocknet, so dass ich nun eigenen Tee für die Erkältungsphase habe.
  • Blutampfer „Bloody Dock“: Anfänglich etwas langsam im Wachstum, ist er in den etwas kühleren Spätsommer/Herbstwochen dann richtig explodiert. Ich habe ihn manchmal unter den Salat gemischt, aber ansich finde ich ihn garnicht mal so lecker. Seine Blätter sind aber schick und daher wird er wohl nächstes Jahr auch wieder dabei sein.

Etwas mikrig im Wachstum waren:

  • Pimpinelle: mitlerweile macht sie keine ganz so schlechte Figur im Topf, aber ich fand sie ließ sehr auf sich warten. Sie hat mich aber mit Blüten erfreut und wuchs langsam, aber stetig. In der Küche kam sie noch nicht zum Einsatz – obwohl mein Freund aufgrund seiner Herkunft durchaus hessischer „Grüner Sauce“ durchaus nicht abgeneigt ist.
  • Zitronenbasilikum: ist schon gewachsen, hat aber relativ schmale Stengel und Blättchen entwickelt. Auf der Verpackung sehen die Pflanzen wesentlich imposanter aus. Vielleicht braucht es mehr Sonne als ich ihm auf meinem Balkon bieten kann. Das Zitronenbasilikum hat mich aber geschmacklich auch garnicht so richtig überzeugt. Im nächsten Jahr nehme ich lieber klassisches Basilikum.

Gescheitert bin ich an der Ausstaat bzw. Anzucht von:

  • Parakresse: trotz mehrfacher Aussaat auf der Fensterbank ist sie nie gekeimt. Ich habe es dann aufgegeben.
  • Pfefferminze: sollte man lieber eine Pflanze kaufen, dann gedeiht sie gut. Meine angezogenen Pflänzchen blieben mikrig und hatten wenig Aroma.
  • Kerbel: wollte auf dem Balkon bei Direktaussaat nicht so richtig keimen im Frühjahr/Sommer in Schattenlage. Es entstanden nur mikrige Pflänzchen  – jetzt im Herbst sind nochmal ein paar Samen gekeimt, die noch im Boden waren, aber die kleinen Blättchen reichen nicht für die Küche.
  • Schnittknoblauch: es standen an verschiedenen Stellen einzelne Halme in den Töpfen herum, aber so richtig wollte sich das Kraut nicht entwickeln. Auch die Anzucht war relativ langwierig, da immernur einige Samen gekeimt sind und die Keimlinge dann wochenlang als einzelne Stengel in den Aussaattöpfchen standen.

Besuch hatten meine Kräuter jede Menge – was mich überrascht hat. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass duftende Kräuter Schädlinge tendentiell abwehren, aber das war bei mir nicht der Fall. Regelmäßig fanden sich Blattläuse ein (u.a. auf Zitronenmelisse, Pfefferminze), ich habe einige Fraßspuren entdeckt (u.a. auf dem Salbei) und schließlich waren da diese mysteriösen „Punkte“, die ich auf einer ganzen Reihe von Kräutern entdeckt habe und aus denen ich bis heute nicht schlau werde. Es sieht aus wie Punkte in den Blättern – also winzig, aber eher Beschädigungen im Blatt, als das da Eier oder Schädlinge direkt zu sehen wären. Ob es sich dabei um Schädlingsspuren oder Mangelerscheinungen handelt, weiß ich noch nicht, aber ich kann sie an dem Großteil meiner Kräuter finden und würde das gerne nächstes Jahr in den Griff bekommen, da sie mir den Spaß an den Pflanzen etwas verdorben haben.

Punkte_Zitronenmelisse[Mysteriöse Blattflecken – hier auf der Zitronenmelisse]

Über Tipps, wie ich meine Ausstaat und Kultivierung von Kräutern optimieren kann, freue ich mich natürlich immer.

Ich wünsche einen gemütlichen Adventssonntag.

Staphylea.

Es wächst! – 3 Monate alte Kräuter.

Als ich es im Januar kaum erwarten konnte, mit meiner ersten Kräuteraussaat zu beginnen, habe ich dem Licht und Wetter zum Trotz erste Saatgefäße auf meiner Fensterbank aufgebaut. Das hat mich gelehrt, dass ich mich in Zukunft doch stärker nach den Anzuchtanleitungen auf den Samenpackungen bzw. im Netz orientiere, da die Pflanzen sich dann einfach besser entwickeln – dennoch haben einige Pflanzen vom Januar überlebt und durften in meinen Töpfen auf der Fensterbank vor sich hinwachsen.

Und hier das Ergebnis nach ungefähr drei Monaten Wachstum – einiges ist noch ganz ansehnlich geworden, anderes wird vielleicht irgendwann wieder den Platz auf der Fensterbank räumen müssen, da eine zweite Generation von Pflanzen bestimmt bald nachrückt…

Majoran_2013

Der „Echte Majoran“. Ich habe zwei Pflanzen in einen Topf gepflanzt. Seitdem wuchert er in der Frühlingssonne am Fenster wundervoll vor sich hin. Kroch der erste Haupttrieb auch noch über den Boden (was er heute auch noch tut), so entwickeln die Pflanzen aber jede Menge Seitentriebe und werden zu einen richtigen Busch. Eine Frage geht mir allerdings in den letzten Tagen durch den Kopf: Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Oregano und Majoran? – Die beiden Pflanzen sind, soviel habe ich schonmal gelesen, eng verwandt. Nun gibt es sie aber beide als Küchenkräuter – und auf der Packung meines Saatgutes steht: „Echter Majoran (Dost, Oregano)“. Da frage ich mich natürlich, was es denn nun ist: Majoran oder Oregano? Oder ist das doch dasselbe? (Und wenn ja: Warum habe ich BEIDES in meinem Gewürzregal in getrockneter Form stehen?)

Salbei und Ysop_2013

Bei meinen Salbei- und Ysop-Pflanzen sieht man gleich auf den ersten Blick, dass sie das wenige Licht im Januar bisher nicht kompensieren konnten. Beide Haupttriebe kriechen über die Erde. Der Salbei hat zunehmend größere Blätter bekommen – aber sein Stiel ist nicht stark genug, um sie zu tragen. Beide Pflanzen treiben unten wieder neu aus und ich frage mich, ob man sie vielleicht einfach wachsen lassen kann und sie sich eventuell doch noch zu kleinen Büschen entwickeln, bei denen die vergeilten ersten Triebe vielleicht nicht mehr so auffallen? Der Salbei duftet auf jeden Fall ganz herrlich, so dass ich ihn ansonsten zumindest gut für Tee und als Gewürz weiterverwerten kann – für den Fall, dass die neue Aussaat sich vorteilhafter entwickelt.

Basilikum
Das Zitronenbasilikum vom Januar ist ein bisschen schwach auf der Brust. Es kann sich kaum auf den Beinen halten und hat auch erst mit der Zeit (weiter oben am Stengel) größere Blätter bekommen. Nun ist es dazu übergegangen eine Blüte zu bilden – vielleicht, um sich einfach schnell zu vermehren, ehe die Pflanze umkippt?! – Die Pflanzen wiegen sich auf jeden Fall schon gefährlich in jedem Luftzug.

Vielleicht habt ihr schon Erfahrungen mit zu wenig Licht gemacht und könnt mir sagen, ob meine Pflanzen wirklich so sehr aus der Norm fallen. Über Tips, wie ihr mit Geilwuchs umgeht, freue ich mich natürlich auch (Wegschmeißen und neusäen, oder gibt sich das nach einer gewissen Zeit?). Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die gerade nachwachsenden Generationen von Kräutern sich in meinen Töpfen machen werden und ob sie mir dann einen „solideren“ und „aufrechteren“ Eindruck machen.

Ich wünsche einen schönen Abend,

Staphylea