Balkonkästen leeressen.

Zu den Frühlingsaufräumaktionen auf meinem Balkon gehört in diesem Jahr auch wieder das ‚Kubaspinaternten und -aufessen‘. Denn der hat sich mal wieder so munter selbst ausgesät, ist über den Winter herangewachsen und setzt gerade zur Blüte an.

26.03. Portulak zwischen Kräutern

Der Kubaspinat füllt die Blumenkästen lückenlos aus – zwischen den überwinterten Kräutern.

Und da der Frühling ja nun wirklich da ist und ich die Blumenkästen bald wieder mit anderen Dingen füllen möchte, habe ich kurzer Hand angefangen, ihn zu Salat zu verarbeiten. Er ist ein guter Ersatz für Feldsalat, finde ich – relativ neutral und daher gut mit allem kombinierbar.

26.03.gewaschener Portulak

Gewaschener Kubaspinat.

26.03.gewaschener Portulak

Beilagensalat gestern abend.

26.03.PortulakmitKartoffeln

Kubaspinatbeilage zu Kräuterquark und Bratkartoffeln heute abend.

Aber was ist das eigentlich, was ich da esse? – Kubaspinat? Portulak? Postelein? – Mitlerweile hat sich bei mir persönlich  ein bisschen Ratlosigkeit eingestellt, da ich das dumpfe Gefühl habe, dass mit all diesen Begriffen entweder die gleiche Pflanze betitelt wird oder sich dahinter doch unterschiedliche Pflanzen verbergen, die von verschiedenen Autoren im Netz  durcheinander geschmissen werden. Ich habe daher mal kurz eine bekannte, große Suchmaschine genutzt, um für mich Klarheit zu schaffen.

Das, was in meinem Balkonkasten wächst, wurde von einer Gärtnerei als Kubaspinat betitelt. Wikipedia sagt mir, dass diese Pflanze auch – weniger glamorös – „Gewöhnliches Tellerkraut“ heißt. Ebenso sind die Namen Winterportulak oder -postelein möglich. Sie ist ein Neophyt, also eine auf den europäischen Kontinent eingewanderte Pflanze, die ursprünglich in Nordamerika beheimatet war, heute aber auch bei uns weite Verbreitung gefunden hat.

Mir persönlich sind das wirklich ein paar zu viele Namen für das Gewöhnliche Tellerkraut. Das verwirrt. Aber die Aussaat als Salat kann ich dennoch wärmstens empfehlen. Es ist anspruchslos, man braucht die Samen nur irgendwo hinwerfen und kann sie dann auch ruhig vergessen. Es wächst totsicher bald und sät sich dann munter selbst aus. Zumindest geht es mir seit zwei Jahren so.

Was bei mir zur Verwirrung geführt hat, ist wohl die Tatsache, dass es auch einen Sommerportulak gibt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine essbare Pflanze, die als Gemüse noch stärker in Vergessenheit geraten ist. Auch der Sommerportulak ist absolut balkontauglich. Ich habe sogar mal Saatgut erstanden, dieses aber kaum zum Keimen gebracht. In den Genuss der Pflanzen kam ich daher bisher nicht – ein neuer Versuch würde mich aber durchaus reizen.

Ich wünsche schonmal ein schönes Wochenende!

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Was wächst auf dem Nordwestbalkon? – Teil 1: Gemüse.

Bevor die erneute Anzuchthysterie wieder beginnt möchte ich noch einen Blick zurück werfen auf meine ersten Gehversuche als Balkongärtnerin in den letzten zwei Sommern auf meinem Nord(west)balkon. Tendentiell ist es eher ein Nordbalkon mit einer leichten Westneigung, der nur am Nachmittag ein bisschen direkte Sonne bekommt. Die Ausgangsbedingungen waren daher nicht die besten – und meine gärtnerischen Versuche waren durch euphorische, fleißige Phasen ebenso wie durch zeitweise Resignation und Faulheit geprägt, so dass ich nicht sagen kann, ob meine bisherigen Erfolge bereits repräsentativ sind, wenn sich die Frage stellt, was eigentlich auf einem Nord(west)balkon angepflanzt werden kann. Aber immerhin habe ich einiges zum Wachsen bekommen – und da lohnt schon eine erste Bestandaufnahme!

Heute zunächst eine Bestandaufnahme zum ‚Gemüse auf dem Nord(west)balkon‘. Es folgen Artikel zu Obst, Blumen und Kräutern. Es handelt sich bei der Aufstellung nur um Pflanzen, die ich auch wirklich auf dem Balkon ausgesiedelt habe – meine Chilis beispielsweise kommen nicht vor, da sie bei mir vorrangig Indoorpflanzen waren.

Gemüse auf dem Nord(west)balkon

Fruchtgemüse

Anbauversuche: Spargelerbse; Gurke „Miniature White“; Tomaten „Cerise gelb“ und  „Johannisbeertomate“; kleine Balkontomate (Name Unbekannt)

2013 habe ich mich auf die Suche nach Gemüse gemacht, das sich auf einem schattigeren Balkon kultivieren lässt. Damals bin ich auf Deaflora gestoßen und in ihrem Online-Shop auf die Spragelerbse. Ausschlaggebend war wohl, dass die Spargelerbse mir recht außegewöhnlich vorkam, was den Reiz für mich erhöht hat es mal zu versuchen – zudem wurde sie als nicht so hoch wachend (60 cm) beschrieben und verträgt auch Halbschatten. Und was soll ich sagen: Es war ein erster Erfolg. Ich habe sie im März/April auf der Fensterbank vorgezogen und nach den Eisheiligen zu zweit in einen großen Topf auf dem Balkon gesetzt. Dort habe ich sie an einem selbstgebastelten Bambusgitter hochranken lassen – ab und an muss man sie aber anbinden, da sie nicht eigenständig ‚klettern‘. Im Juni haben sie dann wundervoll dunkelrot geblüht  und schließlich munter Früchte angesetzt. Ich war schon vollends begeistert über meine ersten, noch eher übersichtlichen Ernten, als der Glücksfaden scheinbar riss: Im Fortgang des Sommers setzten die Pflanzen leider Rost an und darbten dahin. Schade – aber ich kann empfehlen es einmal zu versuchen! Sicherlich werde ich das auch nochmal tun und vielleicht auch herausfinden, woran es lag, dass sie auf einmal krank geworden sind. In der Pfanne kurz angebraten waren die Spargelerbsen wirklich eine nette Bereicherung auf meinem Speiseplan.

SpargelerbsenblüteI

Spargelerbsenblüte .

Ernte_Spargelerbsen

Spargelerbsenernte.

Die Gurke ‚Miniature White‘, die ich nun bereits zwei Sommer angebaut habe, war ein Experiment, ob Gurken – die eigentlich viel Sonne gebrauchen können – bei mir auch wachsen. Die Sorte ist durch ihrer Wuchshöhe und ihre kleinen Früchte besonders gut für den Balkonanbau geeignet. Allerdings habe ich 2013 – wenn ich mich recht erinnere – drei Anläufe gebraucht, bis ich eine Pflanze groß ziehen konnte. Ich habe das damals auf meine Trauerfliegenplage im Wohnzimmer geschoben. Ich hatte aber auch in jedem Anlauf nur wenige Samen ausgesät. Die dritte Aussat vollzog sich dann direkt auf dem Balkon im Frühsommer – und leider hatte die Gurke dann, obwohl sie gut wuchs, nicht mehr genug Zeit und schaffte es nur zu wenigen reifen Früchten. Außerdem hatte sie bald mit Mehltau zu kämpfen. Im letzten Jahr habe ich die Gurke dann wieder recht spät ausgesät (muss ich zu meiner Schande gestehen) – und hatte wieder mit Mehltau zu kämpfen. Ich glaube das Projekt ‚Gurken‘ nehme ich lieber an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit wieder auf.

Gurke

Die Gurke steht in Blüte.

Erste Gurkenernte

Erntereife Gurke an der Pflanze.

Und schließlich habe ich mich, nachdem ich in der Samenrotation 2013 Tomatensamen erhalten (Cerise gelb und Johannisbeertomate) doch mal an diese Nachtschattengewächse rangetraut. Ich hatte zuvor gelesen, dass Tomaten sehr viel Sonne brauchen. Aber im Nachhinein bin ich glücklich, es trotzdem versucht zu haben – denn es hat wirklich ganz passable Ergebnisse gebracht! – Vieleicht mag die Ernte auf einem West- oder Südbalkon größer ausfallen, aber ich habe von beiden Sorten eine ganze Reihe von Früchten geerntet. Außerdem habe ich in einer Gärtnerei noch eine kleine Balkontomate gekauft, die bereits Früchte angesetzt hatte – auch diese sind zuverlässig abgereift und die Pflanze hat es sogar zu einer zweiten ‚Generation‘ von Tomaten im Spätsommer gebracht. Wer sich an den Tomatenanbau in schattigeren Lagen zum erstenmal ranwagt, dem würde ich allerdings empfehlen erstmal auf Wildsorten oder robustere Sorten mit kleinen Früchten zu setzen –  dann hat man bessere Chancen, dass es ein Erfolg wird.

Tomate_Johannisbeer

Wuchernde Johannisbeertomate in der Hängeampel.

CeriseGelb

Gelbe Cerise bekommt Früchte.

MiniJohannisbeertomaten

Niedliche Johannisbeertomatenernte.

Wurzelgemüse

Anbauversuche: Radieschen; Mairübchen ‚Di Milano‘; Rettich ‚Hilds Neckarruhm‘

Mit Wurzelgemüse hat es auf meinem Nordwestbalkon bisher noch nicht wirklich funktioniert. 2013 ist meine erste Radieschenaussaat einem Unwetter zum Opfer gefallen, da ich die Blumentöpfe an meinem Balkon nach außen gehängt hatte. Danach ist die eine Hälfte meiner Radieschen vergeilt und hat keine Knollen gebildet. Ein paar sind was geworden – aber so richtig gut war die Ausbeute  nicht. Im letzten Jahr habe ich es erneut versucht, aber mit noch geringerem Erfolg. Woran das wohl liegt? Das Projekt ‚Radieschen im Frühjahr‘ liegt daher vorläufig auf Eis. Was allerdings empfehlenswert ist: Wenn es mit der Knollenbildung nicht klappt, einfach die Radieschen mal blühen lassen, das ist unerwartet dekorativ und man kann im Herbst neues Saatgut ernten.

Im letzten Jahr habe ich es dann auch mal mit Mairübchen (Sorte: ‚Di Milano‘) versucht – aber auch ohne Erfolg. Ich bekam zudem noch Rettich (Sorte: Hilds Neckarruhm in rot) geschenkt und schob die Samen in die Erde. Es entwickelten sich irgendwann sogar Blätter – aber keine Knolle – der Stiel war vergeilt. Ich frage mich also, ob es an den Lichtverhältnissen liegt und Wurzelgemüse da so anspruchsvoll ist, oder ob es an mir liegt. Hinweise sind mir willkommen!

Blattgemüse

Anbauversuche: Erdbeerspinat; Mangold; Guter Heinrich; Gartenmelde; Neuseeländerspinat; Pak Choi

Der Erdbeerspinat und Mangold ‚Bright Lights‘ wuchsen 2013 auf meinem Balkon, das heißt: sie wären gerne gewachsen, denn sie wurden ständig zerfressen. Ich habe das kaum in den Griff bekommen. Aber beide haben sich nicht einschüchtern lassen und sind immer weitergewachsen – und immer weiter zerfressen worden. Der Erdbeerspinat hat später sogar geblüht und Früchte angesetzt. Außer diesen eher wässrig schmeckenden, aber dekorativen Früchten habe ich die Pflanzen aber nicht als Gemüse nutzen können. Im Herbst hatte es dann allerdings der Mangold doch noch so weit geschafft, dass ich ab und an ein paar Blätter in mein Essen schnibbeln konnte. Der Anbau beider Pflanzen ist also theoretisch möglich, wenn man nicht von kleinen Plagegeistern (Minierfliegen?) heimgesucht wird oder ein wirksames Mittel gegen diese findet (aber bitte biologisch!).

Erdbeerspinat

Früchte am noch recht fotogen wirkenden Erdbeerspinat.

Mangold

Mangold im Herbst.-

Keine guten Erfahrungen habe ich mit dem Guten Heinrich, der Gartenmelde, dem Neuseeländerspinat und dem Mini-Pak Choi gemacht – alles habe ich über ein Kindheitsstadium nicht hinausgebracht oder es ist garnicht erst gekeimt. Das liest sich traurig, wenn ich das hier so aufliste, aber so war es nun einmal. Bei einigem kann es aber auch daran gelegen haben, dass ich mich nicht genug gekümmert habe, nachdem ich die Samen in die Blumentöpfe gesteckt hatte.

Blattsalate

Anbauversuche: Blutampfer; Amish Deer Tongue; Feldsalat; Hirschhornwegerich; Kubaspinat/Portulak; und weitere als ‚Schnittsalat‘ oder ‚Plücksalat‘ gekennzeichnete Sorten

Was Blattsalate angeht, ist mein Fazit ebenfalls gemischt: Robuste, heimische Pflanzen wachsen sehr gut, wie der Blutampfer oder der Hirschhornwegerich. Und sie bilden eine schöne Abwechslung im Salat. Auch der Kubaspinat ist der wahre Renner für mich: er wächst und wächst – und blüht – und füllt leere Stellen in Töpfen ruck-zuck auf. Und gesund soll er auch noch sein. Herkömmliche Pflück- und Schnittsalatsorten aus dem Baumarktregal o.ä. wachsen bei mir auch, wirken aber von Farbe und Blattstärke immer etwas schwach auf der Brust. Ebenso erging es mir mit dem Amish Deer Tongue. Diese Salate wachsen generell recht langsam und wenn ich sie zu lange stehen lasse, weil ich will, dass sie sich noch weiter entwickeln, dann schießen sie im Sommer und gehen irgendwann zur Blüte über. Ich halte mich daher lieber an alternatives Blattgemüse und teste weiter aus, was gut funktioniert. Am Portulak ‚Gruner‚ bin ich übrigens im letzten Jahr gescheitert – dort wo ich (mehrfach) gesät habe, hat sich einfach nichts getan.

Blutampfer

Blutampfer im Wachstum…

IMG_0714_Feldsalat

Feldsalat im Wachstum.

BalkonkastenI

Pflücksalat, Schnittsellerie und Blutampfer.

Kubaspinat

Kubaspinat in Blüte.

Snack

Brötchen mit selbst geerntetem Gemüse 2013.

Blutampfer und Kubaspinat haben sich bei mir übrigens einfach wieder selbst ausgesät – sie sind dabei ganz nette Lückenfüller und begrünen gerade sogar meine winterlichen, sonst leeren Töpfe.

Alles in allem bin ich also eine bedingt erfolgreiche Gemüsegärtnerin, die es aber liebt, weiter zu experimentieren, um herauszufinden, was man aus einem Nord(west)balkon vielleicht noch alles rausholen kann – und jede einzelne Tomate oder jedes Salatblatt belohnt mich für das stetige Giessen, Säen und Pflanzen.

Und um ehrlich zu sein – das Gärtnern hat mich auch in diesem Jahr schon wieder gepackt: meine ersten Chilisamen quellen hinter mir schon in Heizungsnähe in einer Salpeter-Wasser-Lösung, um morgen ausgesät zu werden. Aber dazu dann ein anderes Mal…

Von Portulak bis Feldsalat.

Heute folgt ein Rundgang über meinen Balkon, nachdem ich vorgestern – mit Schal und Mütze ausgerüstet – mal nach dem Rechten gesehen und ein bisschen aufgeräumt habe. Da ich letzten Herbst relativ schnell in eine gewisse Gartenlethargie verfallen bin, habe ich kaum gezielte Aussaaten gegen Jahresende vorgenommen und vorrangig alles sich selbst überlassen. Aber selbst ohne großen gärtnerischen Elan ist es im Herbst/Winter Nummer zwei auf meinem Balkon nicht langweilig geworden – irgendwas wächst immer zwischen meinen überwinternden Kräuftern.

Blutampfer_Selbstaussaat

Frischer Blutampfer – ich wüsste nicht, dass ich ihn dorthin gesät hätte…

Sehr dankbar ist Winterportulak (oder Kubaspinat). Ich hatte die restlichen Samenkörner aus dem letzten Jahr im Herbst in einem der Kästen verteilt. Außerdem hat er sich im letzten Jahr munter selbst ausgesät. Überall sprießt es seitdem und liefert frisches Grün.

Portulak_II

Portulak macht sich neben einem schwächelnden Salbei breit.

Portulak

Potulak begrünt einen Blumenkasten auf dem Boden.

Der Portulak hat den Vorteil, dass er auch einen prima Wintersalat bildet – ich mische ihn gerne zu anderen Salaten dazu. Ich möchte ihm aber dieses Jahr auch die Chance geben, im Frühjahr zu blühen, damit ich neues Saatgut ernten kann.

Salat_Winter2014_15

Dort wo im Sommer unter einer Tomate Salate wuchsen, haben scheinbar neue Samen gekeimt und nun begrünt erneut Blattsalat die Hängeampel…

 Nachdem ich nachmittags dann im Wetterbericht aufgeschnappt habe, dass es in den kommenden Tagen wieder über 10 Grad warm werden soll, habe ich beschlossen doch schonmal die neue Gartensaison einzuleiten. Ich habe daher Feldsalat in drei große Blumentöpfe gesät – eine Sorte, die man ganzjährig ausäen kann. Vielleicht schafft der Salat es ja auch auf meinem Nordwestbalkon, bevor die Gartensaison in einigen Monaten dann wieder richtig losgeht und erfreut mich bis dahin mit ein paar Salatblättern und grünen Farbtupfern in den tristen Töpfen.

Feldsalataussaat

Neue Feldsalataussaaten, damit der Balkonboden bald nicht mehr so trist daher kommt…

Liebe Grüße.