Zwischenstand (zum Blog-Geburtstag).

Eben verrät mir WordPress, dass mein Nordwestbalkon-Garten-Blog heute zwei Jahre alt wird. An dieser Stelle daher ein großer Dank an meine treuen Leser und an alle Kommentatoren meines urbanen Wohnungs- und Balkongartentagebuchs! Vielleicht sollte ich mir zu meinen Jubiläen doch mal etwas Besonderes ausdenken – ehrlich gesagt habe ich garnicht darüber nachgedacht, dass wieder ein Jahr verflossen ist. Und nun liege ich leider schon müde auf dem Sofa und lasse mich von einer Reportage berieseln…

Daher hier nur ein Bericht aus meiner Kinderstube, wie ich es zuvor geplant hatte.

09.03.Tomatenkeimlinge

Tomatenkeimlinge – hier die Sorte ‚Zwergenwunder‘ – Aussaat vom 16.02.

Meine Tomatenkeimlinge bekommen langsam erste Blätter. Aber es braucht noch etwas Geduld, bis sie sich mit der Kamera besser einfangen lassen. Meine Keimquoten sind gute drei Wochen nach der Aussaat (16.02.) erfreulich: 3/4 ‚Zwergenwunder‘, 2/3 ‚Manalucie‘ und 2/3 ‚Balkonzauber‘ stehen in meinem Fenstergewächshaus. Die drei Balkonzaubersamen haben mich ein bisschen zappeln lassen – der erste Keimling hat gute zwei Wochen gebracht und der zweite hat erst gestern das Licht der Welt erblickt. Und auch die Ananaskirsche ‚Goldie‘ hat mir Geduld abverlangt: Mitlerweile sind drei Keimlinge zu erkennen, aber erst einer steht aufrecht und hat die Keimblätter entfaltet.

Meine zehn Chili-Keimlinge stehen mitlerweile in eigenen Töpfen. Ich habe die Kokusquelltabletten einfach eingepflanzt. Sie hätten in diesem Stadium auch noch locker im Fensterbankgewächshaus bleiben können, aber ich brauchte den Platz. Außerdem habe ich gelesen, dass man die Chilis nach dem Keimen ruhig von der Heizung weg und etwas kühler stellen soll, damit sie kompakter Wachsen. Sie haben also ihre eigenen Töpfe bekommen, in denen sie nicht so schnell austrocken, wenn die Sonne sie durchs Fenster anstrahlt (was in diesen Tagen ja erfreulich häufig vorkommt!).

09.03.Chilikeimling

Chilikeimling – Aussaat vom 06.02.

Ob es sich bei diesem Keimling um die Sorte ‚Aji de Jardin‘ handelt, die so schön lila blüht und von lila zu rot abreift? Die dunklen Keimblätter könnten ein Zeichen dafür sein. Ich habe mein Semillas-Saatgut ja einfach gemeinsam ausgesät und bin nun gespannt, aus welchem Keimling sich welche Pflanze entwickelt – deutliche Unterschiede bei den Keimblättern sieht man auf jeden Fall schon.

Ich habe allerdings auch Ausfälle bei meinen Aussaaten zu notieren: der Ziersalbei will nicht keimen und meine Orangentagetesaussaat habe ich scheinbar zu wenig belüftet – die ist verschimmelt. Gestern habe ich dann noch Blattsenf ausgesät – ich teste mal, ob ich ihn an der Fensterbank vorziehen kann, um ihn dann nach draußen umzuziehen. Vielleicht beschleunigt sich dadurch die Balkonbegrünung?

Ansonsten halte ich mich zurück mit der Vorzucht. Ich konzentriere mich dieses Jahr vorrangig auf Tomaten, Ananaskirschen und Chili. Den Rest werde ich dann mit Freilandaussaaten oder Kräuterpflanzen auffüllen. Da ich mir noch immer nicht im Klaren bin, ob ich wirklich die gesamte Saison auf diesem Balkon gärtnern werde – oder vielleicht bald umziehe – gehe ich es dieses Jahr etwas lockerer an und versuche es mit meinen Anzuchten nicht zu sehr zu übertreiben.

Ich wünsche allen noch eine schöne Woche mit möglichst vielen Frühlingstagen.

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Schon im (Spät-)Herbstmodus.

Im Moment könnte ich mich schon vollkommen einiegeln für dieses Jahr. Das liegt wohl auch am ständig wechselden und meist nassen und kühlen Wetter. Da bahnen sich schon Teetrinkgelüste an, gerade köchelt die zweite Kürbissuppe für dieses Jahr im Hintergrund und beim Einkaufen fiels mir schwer, an den Schaum- und Ölbädern vorbeizugehen. Vielleicht geht dieses Bedürfnis danach, mirs zu Hause schön zu machen aber auch darauf zurück, dass ich momentan sehr viel arbeiten muss. Ich versuche im nächsten Jahr ein großes Projekt abzuschließen. Und als Historikerin sitze ich da an vielen Tagen locker acht bis zehn Stunden am PC zwischen Bücherstapeln und versuche, Text zu produzieren. Meist arbeite ich von zu Hause und sehe den ganzen Tag keinen Menschen. Das ist schon ein komisches Leben. Es führt zu wechselhaften Stimmungen zwischen Lethargie und Arbeitswut. Aber manchmal muss man da wohl durch.

Warum erzähle ich das hier? Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Blog für meine eigenen Vorstellungen zu unregelmäßig führe – über vieles, dass ich gerne mal in Blogbeiträgen ausführen würde, dann doch nicht schreibe. Meine LeserInnen müssen wohl ein bisschen Geduld mit mir haben. Ich hoffe im nächsten Jahr auf eine bessere (Balkon-)Gartensaison (wettertechnisch und vielleicht auch standorttechnisch) und mehr Erfahrungen, die ich dann wieder vermehrt mit Euch teilen möchte. Nun aber erstmal ein paar Gartenimpressionen von mir Mitte September.

Aufräumaktionen

In den letzten Wochen habe ich meine Tomatenpflanzen und die Gurkenpflanze schließlich entsorgt. Die Gurke hatte sich zwar erfreulich entwickelt und produzierte Früchte, aber Mehltau und Kälteinbrüche haben ihr den gar ausgemacht. Die Tomaten waren ebenfalls ziemlich mitgenommen und als allmählich keine Früchte mehr vorhanden waren, habe ich sie beerdigt und die restlichen, grünen Früchte zum Nachreifen in der Küche gelagert. Nun sieht es recht überschaubar aus auf meinem Balkon.

Manch ein Leser oder eine Lersin erinnert sich vielleicht an den Chilidschungel in meinem Wohnzimmer – fünf Pflanzen waren es in diesem Jahr. Die waren auch wundervoll gewachsen und haben das Zimmer toll begrünt. Und doch war es am Ende eine traurige Geschichte: Die einzige Pflanze, die wirklich gut getragen hat, war die Cayenna (siehe unten). Allerdings hat sie Spinnmilben angesetzt und ich habe sie dann kurzerhand auf den Nord(west)balkon ausgesiedelt, damit das nasse Wetter mich bei der Milbenbekämpfund unterstützt. So richtig schädlingsfrei habe ich sie mit Neemöl, Abbrausen der Blätter etc. nicht bekommen – muss aber auch gestehen, dass ich mich nicht so wirklich intensiv darum gekümmert habe. Ich warte somit, dass ich sie beernten kann und dann wird sie entsorgt. Die Fürchte haben es nun fast alle geschafft.

Chiliernte

Reiche Chiliernte von der „Cayenna“ – noch ein paar hängen, aber bald hist es geschafft für dieses Jahr.

Die anderen Chilipflanzen – rote und weiße Habanero – haben kaum bis garkeine Früchte getragen, obwohl sie große Büsche gebildet haben und unermüdlich blühten. Warum? Ich denke in diesem Fall bin ich selbst schuld: Das Saatgut habe ich selbst gewonnen im letzten Jahr. Es stammte von Pflanzen, die mein Freund bei einer Gärtnerin erstanden hat. Wir hatten uns natürlich nicht erkundigt, ob die auch sortenfest sind. Und einzelne, wirklich ungewöhnliche Früchte an einer Pflanze ließen nun in der zweiten Generation deutlich erkennen, dass ich das aussähen wirklich besser sein gelassen hätte.

Erfreulich ist allerdings, dass eine weitere Chilisorte, die ich ausgesägt hatte noch auf der Fensterbank meines Freundes viele Früchte getragen hat. Die Samen hatte ich von Attensaat aus der Samenrotation und die Sorte kann ich sehr empfehlen: unglaublich viele, winzige rote Chilis, die aber ordentlich Schärfe haben. Ich habe Saatgut gewonnen und freue mich, sie im nächsten Jahr großzügiger auszusäen. Hier weiß ich wenigstens, dass sie sortenfest sind.

Wachstum auf meinem Balkon

Nun stehen noch diverse Kräuter auf meinem Balkon – einige habe ich auch neu gepflanzt, da es mir zu leer wurde. Und ich säe nun herbstliches: Feldsalat und Winterportulak. Schöne Akzente setzen momentan noch die Schwarzäugige Susanne und vor allem die Orangentagetes. Ich liebe diese Pflanze – sie wächst nach der Aussaat erst langsam, aber wenn das mal Fahrt aufgenommen hat, dann blüht und duftet sie und ist unverwüstbar. Schon im letzten Jahr hat sie mir große Freunde gemacht.

Orangentagetes

Auch der im Frühjahr ausgesägte Hirschhornwegerich macht mir nun (endlich!) große Freude. Ich hatte ihn als Salatalternative ausgesät, aber er wuchs in enormem Schneckentempo und wurde ständig von Blattläusen befallen. Aber nun sieht er doch recht ansehnlich aus, entwickelt ständig neue Blätter und kann fleißig als Salatbeigabe genutzt werden. Ich finde ihn super!

Hirschhornwegerich

Hirschhornwegerich.

Meine ersten Erdbeeranzuchten in diesem Jahr waren auch nur bedingt erfolgreich – die ersten Keimlinge gingen wieder ein, die zweiten (im Juni oder Juli auf dem Balkon) wuchsen nur in Zeitlupe und hatten ebenfalls ständig Blattläuse. Aber nun scheint sich auch hier noch was zum Positiven zu entwickeln – allmählich sehen die Erdbeeren nach Erdbeeren aus und es könnte daher zumindest im nächsten Jahr auch Früchte geben. Sofern das Überwintern auf dem Balkon klappt:

Erdbeeren

Monatserdbeeren.

Überhaupt spielt die Natur auf meinem Balkon zur Zeit verrückt. Im Frühjahr hatte ich drei Knoblauchzehen bei einer Tomate in die Erde gesteckt. Sie keimten, entwickelten Blätter und gingen dann wieder ein. Ich habe sie dann abgeschrieben – bis ich vor rund einer Woche wieder austreibende Knoblauchblätter im nun leeren Tomatentrog entdeckte. Na, wenn das mal gut geht – ich glaube Knoblauch mag keinen Frost?!

Es gibt also noch viel zu beobachten in dieser Gartensaison und viel zu berichten.

Aber nun wünsche ich erstmal ein schönes Restwochenende.

Des Gärtners Aufräumwut?!

Seit einiger Zeit lese ich mich nun dann und wann durch Garten- und Balkonblogs und bin nach meiner ersten Gartensaison auf meinem eigenen Balkon etwas irritiert über so manche Aufräumwut der Balkon- und Garteninhaber. Nun ist es also Oktober. Als Neuling war ich davon ausgegangen, dass die Gartensaison nun schon lange zu Ende sein und in meinen Kübeln nurnoch vertrocknete Stengel stehen würden. Aber von einem Erfrieren und Sterben sind meine Kübelpflanzen noch weit entfernt. Die fleißigen Lieschen, die Ringelblumen, die Orangentages und die Kapuzinerkresse blühen noch immer fleißig. Blutampfer, Schnittsellerie und Pfefferminze treiben weiter aus. Und selbst der Stielmangold, der mir in einem Buch als kälteempfindlich beschrieben wurde und den ich daher vor einigen Wochen schonmal vorsichtshalber ziemlich radikal abgeerntet hatte, wächst weiter – wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo wie den Sommer über. In manchen Töpfen sind gerade neue Saaten (v.a. Feldsalat) aufgegangen, der aber nur langsam wächst. Natürlich finden sich hier und da erste gelbe Blätter – zum Beispiel an der Ananaskirsche, die aber trotzdem das Blühen nicht einstellen will.

Organentagetes

Aus diesem Grund möchte ich hier in aller Deutlischkeit schreiben, dass ich entschlossen bin dieses Begrünungsprojekt in diesem Jahr bis zum bitteren Ende durchzuziehen: Hier auf meinem Balkon wird nicht ausgerissen, ausgeleert und in den Keller geräumt, um dem Winter kampflos das Feld zu überlassen. Nein, auch das Vergehen wird hier akribisch begutachtet und dokumentiert. Und jede letzte Blüte und jeder junge Austrieb wird bejubelt und angefeuert. Der letzte Winter war schließlich lang und trist genug. Solange noch irgendwas auf meinem Balkon wächst dieses Jahr, soll es wachsen dürfen. So schaue ich nicht nur auf die fast schon kahlen Bäume vor meinem Fenster, sondern auch noch immer auf grüne Blumentöpfe. Die winterliche Tristesse hat hier keinen Platz und das ist auch gut so.

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Herbstwochenende,

Staphylea