Offiziell Mundräuberin.

Nachdem ich bereits letzte Woche mit dem Gedanken gespielt habe, unter die Mundräuber zu gehen, habe ich letztes Wochenende endlich die Zeit und passende Gesellschaft für erste Streifzüge gefunden. Gestern haben wir – das heißt der allseits bereite Herr K. und ich – zunächst am Mainzer Naturschaugarten die dortigen Walnussbäume in Augenschein genommen und erfreut festgestellt, dass es hier noch einiges zu sammeln gibt. Sicherlich wäre dort noch mehr zu holen, wenn man sich die Mühe machen würde den Boden weiter abzusuchen – aber Eichhörnchen & Co. übernehmen diese Arbeit sicher auch noch gerne in diesen Wochen.

Anschließend haben wir einen (Familien-)Ausflug in den Taunus gemacht – inklusive eines Abstechers nach Wiesbaden zu einigen Mundräuber-Obstbäumen. Zunächst hatten wir einen Birnbaum anvisiert, doch mussten wir feststellen, dass sich dieser in einem privaten, gut eingezäunten Vorgarten befand. Da wir unsicher waren, ob die Birnen überhaupt etwas taugten und uns eigentlich mehr nach „durch verlassene Obstwiesen streifen“  als nach „in engem Vorgarten Birnen unter den Augen des Besitzers ernten“ war, haben wir die Birnen doch hängen gelassen und unsere Räubertour im Stadtteil fortgesetzt. Wir stießen ein paar Straßen weiter – dank der Mundraubkarte – auf eine ganze Reihe von alten, verlassenen Obstbäumen, die leider in einem schlechten Zustand sind. Dennoch: Eine Reihe von Apfelbäumen trägt noch eine ganze Menge Früchte, so dass wir uns hier nach Herzenslust bedienen konnten. Mit zwei Tüten Äpfeln bestückt setzten wir schließlich unsere Reise in den Taunus fort.  (Für weitere Räuber lohnt sich der Besuch dieser Bäume übrigens auch noch.)

Äpfel

Abends sind wir dann noch spontan am Mainzer Bahnhof vorbei, haben eine Tüte Mehl und ein paar Eier gekauft  und haben später ein großes Blech Apfelkuchen in den Ofen geschoben. – Leider, so muss ich mir rückblickend eingestehen, haben wir vor lauter Euphorie in Bezug auf die Äpfel, ein bisschen wahllos zugefriffen und geerntet. So haben wir zu Hause feststellen müssen, dass nicht alle Sorten der Äpfel so gut schmecken und einige auch schon Bewohner hatten. Manch ein Apfel hatte auch schon ordenlich Macken bekommen durch den Transport. Vielleicht brauchen wir einfach noch ein bisschen Übung im Mundräubern, wir langjährige Stadtbewohner.

Heute habe ich dann kurzer Hand jene Äpfel, die in einem schlechten Zustand waren, für ein Saftexperiment genutzt. Saft herstellen ohne Entsafter hat sich natürlich, wie voraussehbar, als suboptimal herausgestellt. Dennoch hat es Spaß gemacht, es ist lecker und ich habe einige Äpfel noch verwerten können. Das Rezept habe ich leicht abgeändert: Ich habe noch eine gesammelte Quitte und statt Zucker ein bisschen Honig hinzugegeben. Für den Rest der Ernte werde ich mir dann noch was anderes einfallen lassen – einfach öfter mal einen Apfel essen, das wird wohl das beste sein! („An apple a day, keeps the doctor away…“)

Herr K. und ich halten abschließend fest: Sich die Natur mit ihren vorhandenen Ressourcen (dort wo es erlaubt ist und ohne zu stehlen!) zurückzuerobern und die Herbsttage für lange Spaziergänge und Obst-, Kräuter- oder Pilzernten zu nutzen macht Spaß und ist gut gegen Herbsttristesse.

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Von Jägern und Sammlern.

Kürzlich bin ich auf die Aktion „Mundraub“ gestoßen. Die Initiative erinnert an Kindertage, als ich auf den Streuobstwiesen meiner Großeltern Äpfel, „Quetschen“ (Zwetschgen), Kirschen und Co. ernten durfte. Und selbst Weihnachten gab es noch (zwischenzeitlich eingefrorene) frisch aufgebackene „Quetschentarte“ von Oma. Mit viel Zucker und Sahne. Ländliche Iylle?

Dank Mundraub geht das nun auch im städtischen Raum. Fasziniert von der Idee, Obstbäume und – sträucher, die verweist sind, von Bürgerseite zurückzuerobern und brach liegende Nahrungsressourcen wieder zu erschließen, habe ich mich gleich angemeldet. Wenn man ein bisschen auf Zack ist, was Erntezeiten und Standorte angeht, kann man dort ganz legal frisches Obst ernten „für lau“. Selbstentdeckte Bäume und Sträucher können geteilt und im Jahresverlauf gemeinsam beerntet werden. Die Initiative setzt sich auch für die Bewahrung und Pflege von Obstbäumen auf öffentlichem Gelände ein.

Und da die Beschäftigung mit den Mundräubern soviel Lust aufs Sammeln gemacht hat, ging es gestern erstmal im Sonnenschein in den Wald. Und wir waren erstaunlich erfolgreich: Abends gab es eine Steinpilzsoße zum veganen „Schnitzel“. Und heute habe ich erstmals eigenhändig gesammelte „Keschde“ (pfälzisch = „Esskastanien“) selbst geröstet.

SteinpilzeKeschde