Gartenjahr No. 1: Kräuter auf dem Nordwestbalkon.

Hiermit eröffne ich eine Beitragsreihe, in der ich zurückblicken  möchte auf mein erstes Jahr als Balkongärtnerin. Da ich mich innerhalb der letzten Monate an erstaunlich vielen Saattütchen und Pflänzchen vergriffen habe, um sie mehr oder weniger erfolgreich in Kübeln zu kultivieren, werde ich meine Rückblicke thematisch ordnen. Es folgen verschiedene Beiträge über meiner ersten Gartenerfahrungen mit Kräutern, Obst, Salat, Gemüse und Blühpflanzen. Heute widme ich mich zunächst den Kräutern.

Wie hat es also geklappt auf meinem Nord(west)balkon, der nur wenige Stunden täglich wirklich Sonne bekommt? Welche Kräuter haben es mir angetan und werden im kommenden Jahr auch wieder ihren Weg in meine Töpfe finden?

Als Pflanzen habe ich Currystrauch, Liebstöckel, Pfefferminze, Thymian und Zitronenmelisse gekauft. Alle außer der Pfefferminze kamen von einem Gärtner. Die Minze hatte ich bei einem Supermarkt um die Ecke erstanden – eigentlich zum direkten Einsatz bei einem sommerlichen Cocktailtrinken auf meinem Balkon, aber ich habe sie dann kurzerhand noch eingepflanzt und sie entwickelt sich bis heute ganz wunderbar. Fast alle Pflanzen haben das Gartenjahr überlebt und ich bin gespannt, was im Frühjahr neu austreibt. Lediglich den Liebstöckel habe ich entweder falsch gepflegt oder er mochte es einfach  nicht in meinem Balkonkübel. Nachdem ich ihm dabei zugesehen hatte, wie er abwechselnd gelb wurde und dann wieder neu austrieb, habe ich ihn irgendwann – in einem jämmerlichen Zustand – kurzer Hand entsorgt.

Saatguttütchen haben in der „Ich habe endlich einen Balkon“-Euphorie und in der „Dieser Winter ist viel zu lang“-Frustration im letzten Frühjahr eine ganze Menge ihren Weg in meine Wohnung gefunden. Ich bin selbst erschrocken, als ich heute mal meinen Bestand gesichtet habe. Hierunter befinden sich: Blutampfer „Bloody Dock“, Salbei, Echter Majoran, Schnitt-Sellerie „Westlandse“, Ysop, Schnittknoblauch, Pimpinelle, Kerbel, Zitronenbasilikum, Pfefferminze und Parakresse.

Relativ problemlos war die Anzucht und Kultivierung von:

  • Ysop: Obwohl er angeblich viel Sonne braucht, hat er sich in meinen Töpfen zu ansehnlichen Pflanzen entwickelt. Geblüht hat er zwar nicht, aber er hat sich gut entwickelt und schien robust. Leider hat mich hier der Geschmack nicht so überzeugt – bzw. ich habe noch nicht rausgefunden, wofür man ihn wirklich gewinnbringend einsetzen kann. Ich kenne aus der Museumspädagogik einer kleinen Unesco-Weltkulturerbestätte, in der ich mal gejobbt habe, ein mittelalterliches Hustensiruprezept mit Ysop – aber das ist nunmal nicht so alltagstauglich.
  • Schnitt-Sellerie: Wuchs in den ersten Wochen relativ langsam, in kühleren Herbsttagen ist er aber förmlich explodiert. Er hat sich wirklich gut gemacht und auch seinen Weg in meine Kochtöpfe gefunden. Ich finde das ist ein prima „Kraut“ für herbstliche Suppen und Eintöpfe.
  • Echter Majoran: Auch relativ unproblematisch – hat sich zu ansehnlichen Pflanzen entwickelt. Allerdings wurde er von Blattläusen geliebt, so dass ich einige meiner Pflanzen irgendwann genervt entsorgt habe.
  • Salbei: Aus meiner Anzucht existieren heute noch zwei ansehnliche Pflanzen. Die eine schwächelt langsam auf dem Balkon, die zweite steht auf meiner Fensterbank. Er muss viel gegossen werden. Aber ansonsten geht es ihm auch auf dem Nordwestbalkon gut – vielleicht wächst er nur nicht so schnell und ist nicht so raumgreifend wie auf sonnigeren Balkonen, aber das finde ich sogar ganz praktisch. Im Herbst habe ich ihn gestutzt und getrocknet, so dass ich nun eigenen Tee für die Erkältungsphase habe.
  • Blutampfer „Bloody Dock“: Anfänglich etwas langsam im Wachstum, ist er in den etwas kühleren Spätsommer/Herbstwochen dann richtig explodiert. Ich habe ihn manchmal unter den Salat gemischt, aber ansich finde ich ihn garnicht mal so lecker. Seine Blätter sind aber schick und daher wird er wohl nächstes Jahr auch wieder dabei sein.

Etwas mikrig im Wachstum waren:

  • Pimpinelle: mitlerweile macht sie keine ganz so schlechte Figur im Topf, aber ich fand sie ließ sehr auf sich warten. Sie hat mich aber mit Blüten erfreut und wuchs langsam, aber stetig. In der Küche kam sie noch nicht zum Einsatz – obwohl mein Freund aufgrund seiner Herkunft durchaus hessischer „Grüner Sauce“ durchaus nicht abgeneigt ist.
  • Zitronenbasilikum: ist schon gewachsen, hat aber relativ schmale Stengel und Blättchen entwickelt. Auf der Verpackung sehen die Pflanzen wesentlich imposanter aus. Vielleicht braucht es mehr Sonne als ich ihm auf meinem Balkon bieten kann. Das Zitronenbasilikum hat mich aber geschmacklich auch garnicht so richtig überzeugt. Im nächsten Jahr nehme ich lieber klassisches Basilikum.

Gescheitert bin ich an der Ausstaat bzw. Anzucht von:

  • Parakresse: trotz mehrfacher Aussaat auf der Fensterbank ist sie nie gekeimt. Ich habe es dann aufgegeben.
  • Pfefferminze: sollte man lieber eine Pflanze kaufen, dann gedeiht sie gut. Meine angezogenen Pflänzchen blieben mikrig und hatten wenig Aroma.
  • Kerbel: wollte auf dem Balkon bei Direktaussaat nicht so richtig keimen im Frühjahr/Sommer in Schattenlage. Es entstanden nur mikrige Pflänzchen  – jetzt im Herbst sind nochmal ein paar Samen gekeimt, die noch im Boden waren, aber die kleinen Blättchen reichen nicht für die Küche.
  • Schnittknoblauch: es standen an verschiedenen Stellen einzelne Halme in den Töpfen herum, aber so richtig wollte sich das Kraut nicht entwickeln. Auch die Anzucht war relativ langwierig, da immernur einige Samen gekeimt sind und die Keimlinge dann wochenlang als einzelne Stengel in den Aussaattöpfchen standen.

Besuch hatten meine Kräuter jede Menge – was mich überrascht hat. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass duftende Kräuter Schädlinge tendentiell abwehren, aber das war bei mir nicht der Fall. Regelmäßig fanden sich Blattläuse ein (u.a. auf Zitronenmelisse, Pfefferminze), ich habe einige Fraßspuren entdeckt (u.a. auf dem Salbei) und schließlich waren da diese mysteriösen „Punkte“, die ich auf einer ganzen Reihe von Kräutern entdeckt habe und aus denen ich bis heute nicht schlau werde. Es sieht aus wie Punkte in den Blättern – also winzig, aber eher Beschädigungen im Blatt, als das da Eier oder Schädlinge direkt zu sehen wären. Ob es sich dabei um Schädlingsspuren oder Mangelerscheinungen handelt, weiß ich noch nicht, aber ich kann sie an dem Großteil meiner Kräuter finden und würde das gerne nächstes Jahr in den Griff bekommen, da sie mir den Spaß an den Pflanzen etwas verdorben haben.

Punkte_Zitronenmelisse[Mysteriöse Blattflecken – hier auf der Zitronenmelisse]

Über Tipps, wie ich meine Ausstaat und Kultivierung von Kräutern optimieren kann, freue ich mich natürlich immer.

Ich wünsche einen gemütlichen Adventssonntag.

Staphylea.

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Wachstumsbericht.

Heute ertappe ich mich immer wieder, wie ich Löcher in meine Pflanzen starre. Es hängt mir zum Hals raus aufs Wetter zu schimpfen – aber einen anderen Grund für mein Tief und meine Antriebslosigkeit kann ich beim besten Willen nicht finden. Also gibt es heute nochmal einen kurzen Wachstumsbericht und dann wird Sport getrieben – sonst halte ich es mit mir selbst nicht mehr aus!

Tomtate und Chili

Tomate „Vilma“ (3.5 Wochen alt) und Chili „Basket of Fire“ (5 Wochen alt – mit anfänglichen Startschwierigkeiten) sind ganz gut gewachsen. Sie könnten Sonne vertragen um sich so weiterzuentwickeln, genau wie alles andere auf der Fensterbank – aber daran ist heute mal wieder nicht zu denken!

Zinnie und Fl. Lieschen

Zinnien und Fleißige Lieschen trödeln in meinen Augen ziemlich rum. Vielleicht ist das aber auch  normal – ich kenne mich ja nicht aus. Sie sind jetzt 4-5 Wochen alt und die hier abgebildeten Pflänzchen sind jene, die noch am weitesten entwickelt sind. Da muss Frau wohl noch viel Geduld haben.

Zusammenschnitt

Die Ananaskirsche (vor 1 Woche endlich aufgegangen) sucht das Licht.

Kräuter im Regal

Die Kräuter/Blumentöpfchen im Buchregal (2-3 Wochen alt) wachsen allmählich – hier zu finden: Ysop, Majoran, Schnittknoblauch und ein Fleißiges Lieschen.

In den letzten drei Tagen rappelt sich zumindest der Schnittknoblauch auf:

Schnittknoblauch_bearbeitet

Meinen Blutampfer (Aussaat Anfang und Ende März) habe ich in die nicht so helle Küche verbannen müssen. Die erste Aussaat hat durch ein paar sonnige Tage sehr gelitten (die ersten Blätter haben braune Ränder und wachsen schlecht) – Blutampfer verträgt anscheinend nicht so viel Sonne.

Auf dem Balkon habe ich Salate, frühkeimende Radieschen und Kubaspinat ausgesät. Ich habe einen Blumenkasten über Ostern in die kühle Küche gestellt und Salat und Kubaspinat so zum Keimen genötigt. Nun habe ich sie wieder in die Freiheit entlassen in der Hoffnung, dass sie dort weiterwachsen. Aber bisher passiert da natürlich garnichts. Und man kann immer nur auf besseres Wetter hoffen.

Neu ausgesät auf meiner Fensterbank in den letzten Tagen – bisher aber noch nicht gekeimt: Sonnenblume, Kapuzinerkresse, eine weiße Minigurke („Gurke Miniature White“), Erdbeerspinat, Ringelblume, Kaktusfeige und Chichiquelite (Link).

Gegenüber der Parakresse habe ich endgültig kapituliert. Ich habe dreimal ausgesät – dreimal ist garnichts passiert. Ich lasse es jetzt gut sein. Dann wachsen eben all die anderen tollen Sachen auf meiner Fensterbank!

Es wächst! – 3 Monate alte Kräuter.

Als ich es im Januar kaum erwarten konnte, mit meiner ersten Kräuteraussaat zu beginnen, habe ich dem Licht und Wetter zum Trotz erste Saatgefäße auf meiner Fensterbank aufgebaut. Das hat mich gelehrt, dass ich mich in Zukunft doch stärker nach den Anzuchtanleitungen auf den Samenpackungen bzw. im Netz orientiere, da die Pflanzen sich dann einfach besser entwickeln – dennoch haben einige Pflanzen vom Januar überlebt und durften in meinen Töpfen auf der Fensterbank vor sich hinwachsen.

Und hier das Ergebnis nach ungefähr drei Monaten Wachstum – einiges ist noch ganz ansehnlich geworden, anderes wird vielleicht irgendwann wieder den Platz auf der Fensterbank räumen müssen, da eine zweite Generation von Pflanzen bestimmt bald nachrückt…

Majoran_2013

Der „Echte Majoran“. Ich habe zwei Pflanzen in einen Topf gepflanzt. Seitdem wuchert er in der Frühlingssonne am Fenster wundervoll vor sich hin. Kroch der erste Haupttrieb auch noch über den Boden (was er heute auch noch tut), so entwickeln die Pflanzen aber jede Menge Seitentriebe und werden zu einen richtigen Busch. Eine Frage geht mir allerdings in den letzten Tagen durch den Kopf: Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Oregano und Majoran? – Die beiden Pflanzen sind, soviel habe ich schonmal gelesen, eng verwandt. Nun gibt es sie aber beide als Küchenkräuter – und auf der Packung meines Saatgutes steht: „Echter Majoran (Dost, Oregano)“. Da frage ich mich natürlich, was es denn nun ist: Majoran oder Oregano? Oder ist das doch dasselbe? (Und wenn ja: Warum habe ich BEIDES in meinem Gewürzregal in getrockneter Form stehen?)

Salbei und Ysop_2013

Bei meinen Salbei- und Ysop-Pflanzen sieht man gleich auf den ersten Blick, dass sie das wenige Licht im Januar bisher nicht kompensieren konnten. Beide Haupttriebe kriechen über die Erde. Der Salbei hat zunehmend größere Blätter bekommen – aber sein Stiel ist nicht stark genug, um sie zu tragen. Beide Pflanzen treiben unten wieder neu aus und ich frage mich, ob man sie vielleicht einfach wachsen lassen kann und sie sich eventuell doch noch zu kleinen Büschen entwickeln, bei denen die vergeilten ersten Triebe vielleicht nicht mehr so auffallen? Der Salbei duftet auf jeden Fall ganz herrlich, so dass ich ihn ansonsten zumindest gut für Tee und als Gewürz weiterverwerten kann – für den Fall, dass die neue Aussaat sich vorteilhafter entwickelt.

Basilikum
Das Zitronenbasilikum vom Januar ist ein bisschen schwach auf der Brust. Es kann sich kaum auf den Beinen halten und hat auch erst mit der Zeit (weiter oben am Stengel) größere Blätter bekommen. Nun ist es dazu übergegangen eine Blüte zu bilden – vielleicht, um sich einfach schnell zu vermehren, ehe die Pflanze umkippt?! – Die Pflanzen wiegen sich auf jeden Fall schon gefährlich in jedem Luftzug.

Vielleicht habt ihr schon Erfahrungen mit zu wenig Licht gemacht und könnt mir sagen, ob meine Pflanzen wirklich so sehr aus der Norm fallen. Über Tips, wie ihr mit Geilwuchs umgeht, freue ich mich natürlich auch (Wegschmeißen und neusäen, oder gibt sich das nach einer gewissen Zeit?). Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die gerade nachwachsenden Generationen von Kräutern sich in meinen Töpfen machen werden und ob sie mir dann einen „solideren“ und „aufrechteren“ Eindruck machen.

Ich wünsche einen schönen Abend,

Staphylea