Zwischenstand (zum Blog-Geburtstag).

Eben verrät mir WordPress, dass mein Nordwestbalkon-Garten-Blog heute zwei Jahre alt wird. An dieser Stelle daher ein großer Dank an meine treuen Leser und an alle Kommentatoren meines urbanen Wohnungs- und Balkongartentagebuchs! Vielleicht sollte ich mir zu meinen Jubiläen doch mal etwas Besonderes ausdenken – ehrlich gesagt habe ich garnicht darüber nachgedacht, dass wieder ein Jahr verflossen ist. Und nun liege ich leider schon müde auf dem Sofa und lasse mich von einer Reportage berieseln…

Daher hier nur ein Bericht aus meiner Kinderstube, wie ich es zuvor geplant hatte.

09.03.Tomatenkeimlinge

Tomatenkeimlinge – hier die Sorte ‚Zwergenwunder‘ – Aussaat vom 16.02.

Meine Tomatenkeimlinge bekommen langsam erste Blätter. Aber es braucht noch etwas Geduld, bis sie sich mit der Kamera besser einfangen lassen. Meine Keimquoten sind gute drei Wochen nach der Aussaat (16.02.) erfreulich: 3/4 ‚Zwergenwunder‘, 2/3 ‚Manalucie‘ und 2/3 ‚Balkonzauber‘ stehen in meinem Fenstergewächshaus. Die drei Balkonzaubersamen haben mich ein bisschen zappeln lassen – der erste Keimling hat gute zwei Wochen gebracht und der zweite hat erst gestern das Licht der Welt erblickt. Und auch die Ananaskirsche ‚Goldie‘ hat mir Geduld abverlangt: Mitlerweile sind drei Keimlinge zu erkennen, aber erst einer steht aufrecht und hat die Keimblätter entfaltet.

Meine zehn Chili-Keimlinge stehen mitlerweile in eigenen Töpfen. Ich habe die Kokusquelltabletten einfach eingepflanzt. Sie hätten in diesem Stadium auch noch locker im Fensterbankgewächshaus bleiben können, aber ich brauchte den Platz. Außerdem habe ich gelesen, dass man die Chilis nach dem Keimen ruhig von der Heizung weg und etwas kühler stellen soll, damit sie kompakter Wachsen. Sie haben also ihre eigenen Töpfe bekommen, in denen sie nicht so schnell austrocken, wenn die Sonne sie durchs Fenster anstrahlt (was in diesen Tagen ja erfreulich häufig vorkommt!).

09.03.Chilikeimling

Chilikeimling – Aussaat vom 06.02.

Ob es sich bei diesem Keimling um die Sorte ‚Aji de Jardin‘ handelt, die so schön lila blüht und von lila zu rot abreift? Die dunklen Keimblätter könnten ein Zeichen dafür sein. Ich habe mein Semillas-Saatgut ja einfach gemeinsam ausgesät und bin nun gespannt, aus welchem Keimling sich welche Pflanze entwickelt – deutliche Unterschiede bei den Keimblättern sieht man auf jeden Fall schon.

Ich habe allerdings auch Ausfälle bei meinen Aussaaten zu notieren: der Ziersalbei will nicht keimen und meine Orangentagetesaussaat habe ich scheinbar zu wenig belüftet – die ist verschimmelt. Gestern habe ich dann noch Blattsenf ausgesät – ich teste mal, ob ich ihn an der Fensterbank vorziehen kann, um ihn dann nach draußen umzuziehen. Vielleicht beschleunigt sich dadurch die Balkonbegrünung?

Ansonsten halte ich mich zurück mit der Vorzucht. Ich konzentriere mich dieses Jahr vorrangig auf Tomaten, Ananaskirschen und Chili. Den Rest werde ich dann mit Freilandaussaaten oder Kräuterpflanzen auffüllen. Da ich mir noch immer nicht im Klaren bin, ob ich wirklich die gesamte Saison auf diesem Balkon gärtnern werde – oder vielleicht bald umziehe – gehe ich es dieses Jahr etwas lockerer an und versuche es mit meinen Anzuchten nicht zu sehr zu übertreiben.

Ich wünsche allen noch eine schöne Woche mit möglichst vielen Frühlingstagen.

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Was wächst auf dem Nordwestbalkon? – Teil II: Obst und Beeren

Und nun die Fortsetzung meiner kurzen Beitragsserie, in der ich ein Fazit ziehe zu meinen bisherigen Abauerfolgen auf einem Nordbalkon mit leichter Westneigung – und nur wenigen Sonnenstunden am Nachmittag. Nach Teil I, in dem ich über meine Gemüseanbauversuche berichtete, folgt hier nun Teil II zum Thema ‚Obst und Beeren‘. Dieser Beitrag wird allerdings noch nicht so umfrangreich, denn mit Obst habe ich bisher noch wenig Erfahrungen gesammelt.

Obst auf dem Nord(west)balkon

Anbauversuche: Ananaskirsche; Erdbeeren; Chichiquelite (Erdbeerspinat – siehe im Artikel zum ‚Gemüse‚)

Im Prinzip habe ich mich erst an der Anzucht von drei Pflanzensorten gewagt, die etwas Süße auf meinem Balkon bringen sollten. 2013 begann ich mit Ananaskirsche und Chichiquelite. Um es gleich vorweg zu sagen: In zwei Jahren habe ich es nicht geschafft, die Chichiquelite-Samen zum Keimen zu bringen – ob es an mir lag, oder an dem Saatgut? Ich weiß es nicht und wäre für Hinweise dankbar. Die Ananskirsche hat mich dafür allerdings entschädigt: Sie war relativ unkompliziert und kommt scheinbar auch mit etwas schattigeren Standortern klar. Allerdings sollte man sie früh genug anziehen, damit die Früchte an einem schattigeren Ort auch genug Zeit haben, reif zu werden. Wenn die Ananaskirsche sich wohlfühlt, dann entpuppt sie sich als munterer Blüten- und Fruchtproduzent. Indoor hatten einige Pflanzen übrigens leichte Spinnmilben angesetzt – draußen hatte sich das Problem dann wieder erledigt und sie waren wenig anfällig. Ich finde die Ananaskirschen sind ein Hingucker und schmecken erfrischend. Allerdings könnten sie für meinen Geschmack etwas größer sein – vielleicht teste ich in Zukunft mal andere Physalisarten. Für den Topf dürfen sie nur keinen zu hohen Wuchs haben.

Ananaskirsche

Heranreifende Früchte an der Ananaskirsche.

Im letzten Jahr habe ich dann im Frühjahr mit der Anzucht von Erdbeeren begonnen. Ich habe mich für Sperli’s Bowlenzauber, eine Sorte Monatserdbeeren, entschieden. Monatserdbeeren haben den Vorteil, dass sie den ganzen Sommer durch immer neue Früchte ansetzen. Ich habe außerdem gelesen, dass Monatserdbeeren den Walderdbeeren näher stehen, als die gewöhnlichen Felderdbeeren – ich hatte daher die Hoffnung, dass sie besser mit Schatten umgehen können. Für die Erdbeeranzucht  braucht die Gärtnerin oder der Gärtner allerdings etwas Geduld: Bei der Anzucht aus Samen ist es relativ normal, dass man es erst im zweiten Jahr zu Früchten bringt. Und auch was die Anzucht anbetraf haben sich meine Erdbeeren als nicht ganz so Pflegeleicht entpuppt: Erst waren sie etwas zurückhaltend im Keimen, dann ging mir die erste Charge Keimlinge wieder ein – vielleicht war einfach auch falsches, zu geringes Bewässern o.ä. schuld.. Also musste ein zweiter Versuch her. Und die Pflänzchen sind zunächst wirklich winzig klein und es kam mir vor, wie eine Ewigkeit, bis sie größer wurden. Aber gegen Ende des Jahres gaben die Pflanzen dann ein ganz passables Bild ab. Sie haben in ihren Töpfen überwintert – ich habe lediglich ab und an Blätter entfernt, die nicht mehr so gut aussahen, damit die Pflanzen gesund bleiben. Bei dem milden Winterwetter treiben die Pflanzen auch weiterhin regelmäßig das ein oder andere Blatt aus. Ich bin gespannt, wie sie sich im Frühling entwickeln und ob ich dann wirklich in diesem Jahr Erdbeeren vom Balkon naschen kann. Das wäre ja wirklich ein Traum!

dreiErdbeeren_November

Meine Erdbeerpflanzen vor der Überwinterung.

Für Vorschläge, welches süße Naschwerk sich noch an schattigeren Orten anbauen lässt, bin ich gerne offen. Bisher beschränke ich mich auf selbstgezogene Topfpflanzen und Beerensträuche oder Obstbäumchen hebe ich mir für einen besseren Standort auf – wenn ich in Zukunft mal eine Wohnung mit sonnigerem Balkon oder gar einem Garten bewohnen sollte. Bis dahin mag ich es platzsparender, da ich mich auf meinem Balkon auch noch aufhalten möchte.

Nach langer Abstinenz…

Nach langer Abwesenheit (drei Wochen Sonne, Strand und Wassersport) und einer Betreuung meines Balkon- und Fensterbankgartens durch meine liebe Nachbarin, habe ich gestern voller Spannung meine Wohnung betreten. Wenn man selber der Pflanzenzucht verfallen ist, lässt man sie ja doch ungern so lange allein – gerade in dieser Zeit, in der die Natur förmlich explodiert. Aber meine Nachbarin hat sich wacker geschlagen in den zurückliegenden Wochen, die – wie ich vom Hörensagen weiß – geradezu heiß waren für den Mai in Deutschland. Und so gab es nur sehr wenige Totalausfälle zu verzeichnen. Ich kann also munter wieder ans Werk gehen und schauen, was ich aus dieser (bisher sehr warmen) Gartensaison noch mache. Entsprechend bestand der heutige Gartentag aus einer „Bestandsaufnahme“ und Pflege der Pflanzen – sowie einem munteren Neuaussäen, um allmählich die noch recht beachtlichen Lücken in Töpfen und Kästen zu füllen.

Wachstumsschub im Mai

Zunächst war ich erstaunt, wie alles gewachsen ist. Nagut, nicht alles – aber vieles! Der Blutampfer hat seine Größe locker verdreifacht, da er seine Blütenrispen ausgestreckt hat. Die Schwarzäugigen Susannen wissen garnicht mehr wohin mit ihren „Tentakeln“. Die Tomaten haben auch allmählich eine ansehnliche Größe und die Radieschen waren bereits jenseits von Gut und Böse angelangt. Habe ich mich zuerst verwundert gefragt, was ich da ausgesät hatte (große Gemüsepflanzen?), musste ich feststellen, dass der Erntezeitpunkt für die scharfen Knollen bereits weit überschritten ist. Schade – wollten sie in meiner Anwesenheit doch nicht so recht wachsen.

Kaktusfeigen

Selbst die Kaktusfeigen am Südfenster haben in diesem Frühjahr ihre Größe schon verdoppelt.

Blütenpracht und erste Aussichten auf Ernte

In meinem Wohnzimmer, in dem zwei Schwarzäugige Susannen aus Frostschutzgründen einen Flechtkorb mit Rankgerüst emporkletterten, sah ich gleich von Weitem ihren farbenprägtichen Willkommensgruß. Welch eine Euphorie: mein erstes Aussaatexperiment mit dieser Pflanzenart und gleich so ein tolles Ergebnis! Heute durften die Susannen dann auf den Balkon umziehen, wo sie mich mit ihrer Blütenpracht in den kommenden Wochen weiter erfreuen werden.

Schwarzäugige Susanne

Die Schwarzäugige Susanne blüht.

Meine Chilis sehen zwar nach meine Abwesenheit etwas zerrupft aus – meine Nachbarin ist wohl mit Gießen an heißen Tagen nicht schnell genug nachgekommen. Aber ich denke von fünf Pflanzen haben drei sehr gut überlebt, eine weitere werde ich auch noch durchbringen, nur die fünfte schafft es wahrscheinlich nicht, da kaum mehr brauchbare Blätter vorhanden sind.

Chilis II

Drei von fünf Chilipflanzen – hier: weiße und rote Habanero sowie Gewürzpaprika „Cayenna“.

Aber damit kann ich gut leben – in Anbetracht der Früchte, die manch eine der Pflanzen mir bereits präsentiert:

Chilis

links & rechts unten: zwei von drei Früchten der Gewürzpaprika „Cayenna“ – rechts oben: die erste Habanero

In den kommenden drei Wochen werde ich die Pflanzen mit Dünger, regelmäßigen Wassergaben und Bestäubungsversuchen wieder nach vorne bringen. Davon bin ich überzeugt. Seit meinem im letzten Jahr begonnenen Anzuchtversuchen haben sich meine Chilipflanzen, von einem lästigen Spinnmilbenbefall mal abgesehen, als recht robust entpuppt. Sie verzeihen Zeiten der Vernachlässigung, wenn man sie danach wieder gut pflegt. Sicherlich treiben sie bald wieder aus, blühen wieder neu und setzen Früchte an.

Balkonbevölkerung und neue Mitbewohner

Zu meinem Erschrecken musste ich gestern bereits – und heute bei näherem Hinsehen noch mehr – feststellen, dass sich auf meinem Balkon die Schädlinge breit gemacht haben. Kein Wunder, es war ja niemand da, der es mit ihnen aufgenommen hätte. Gesichtet habe ich jede Menge Blattläuse, Frasspuren an Keimlingen (Minierfliege?) und diverse andere Tierchen auf den Blättern (Spinnmilbe? Weiße Fliege?). Einige Pflanzen hatten diversen Staub und Webfäden auf ihren Blättern, allerding schmeißen die Bäume um uns herum auch tonnenweise „flauschige“ Samen ab, so dass es mir schwer fiel, den Befall immer konkret zu lokalisieren.

Somit war erstmal Aufräumtag. Einige Pflanzen mussten sich leider komplett verabschieden, da ich ihnen absolut nicht mehr über den Weg getraut habe. Hierunter waren vorrangig Kräuter. Manch ein Kraut musste aber nicht (nur) wegen seines Befalls, sondern auch wegen seines Wachstumsschubes gehen – Pimpinelle und Salbei haben zwar reich geblüht in meiner Abwesenheit (gut für Biene & Co.), sich gleichzeitig aber in Höhe uns Breite gestreckt, so dass ich sie zurück in ihre Schranken weisen musste.

Die Lücken in meinen Kästen und Kübeln sind also wieder größer geworden und ich habe Platz für Neues geschaffen (immer das Positive sehen!). Einiges was ich hab lebenlassen, muss ich zudem streng im Auge behalten. Auf Blutampfer, Tomate & Co. tummeln sich immernoch einige Schädlinge – und ich habe gestern und heute großzügig zur Neemölflasche gegriffen und meinen Balkonbewohnern einen Brennesseltee gekocht. Außerdem habe ich hier und da Blattläuse abgesammelt bzw. die Pflanzen mit Wasser abgespritzt, um sie von allen Gespinnsten und herumlungernden Läusen zu befreien. Als ich schließlich mit einem Kaffee auf meinem Liegestuhl saß und mich bemühte, Löcher in die Wolken zu schauen, fielen meine Blicke auf den hochgeschossenen Blutampfer, der gerade zur Blüte ansetzt. Und mir wurde schlagartig klar: Ich, als angehende „biologische Balkongärtnerin“, bin nicht allein im Kampf gegen die Läuse…

Marienkäferlarve

Marienkäferlarve auf dem Blutampfer.

Bei meinem ersten Einkauf gestern habe ich übrigens noch einen Abstecher gemacht, um ein Dankesblümchen für meine Nachbarin zu erstehen – und dabei ist in aller Euphorie noch eine kleine Balkontomate in meinen Einkaufswagen gehüpft. Tomaten sind auf meinem Blakon in Norst(west)lage ja in diesem Jahr ein großes Experiment und die selbst angezogenen machen nicht den besten Eindruck – doch ich konnte trotzdem die Finger nicht davon lasssen…

Balkontomate

Kleine, neue Balkontomate.

Die Sorte kann ich leider nicht bennenen – es stand nur „Balkontomate“ drauf (sehr aussagekräftig!). Aber sie ist klein, kompakt und hat bereits erste Früchte angesetzt. Ich bin also gespannt, ob sie erröten und es zu weiteren Fruchtansätzen kommt.

Neuaussaaten

Heute habe ich dann noch diverse Pflanzen ausgesät, da ja auch der Mai noch ein prima Aussaatmonat ist. Zwar nicht mehr für alles – für Radieschen & Co. ist es wohl zu spät, da sie bei Hitze schnell schossen. Bei mir haben noch Pflücksalat, Ananaskirsche, Dill, Portulak, Schnittknoblauch und Schnittlauch, Orangentagetes und Mangold ihren Weg in die Erde gefunden. Sobald ich mir noch weitere Blumenerde zugelegt habe, werde ich auch in der kommenden Woche eine neue „Kinderstube“ errichten. Ich bin gespannt, wie sich eine Ausaat im Mai unter den gegebenen Umständen entwickelt…

Ananaskirsche_Aussaat

„Gewächshaus“ für die Ananaskirschenaussaat – mit einer Klarsichthülle und Schaschlikspießen improvisiert.

Neue Bewässerungssysteme

Eigentlich hatte ich schon vor dem Urlaub geplant, neue Bewässerungssysteme zu installieren, um der Pflanzenbabysitterin ihren Job noch zu vereinfachen. Da das Päckchen sich aber leider Zeit ließ und erst nach meinem Verschwinden eintraf, habe ich mich damit begnügt, die Chilis am Südfenster und diverse Topfpflanzen in meiner Wohnung mit den vom letzten Jahr vorhandenen Blumatkegeln auszustatten.

Da mein neues Bewässerungsequipment nun da ist, werde ich es in der Folge austesten und – falls es funktioniert – für heiße Sommertage nutzen, in denen ich  abwesend bin. Ich habe mich erneut für sehr günstige Varianten entschieden, da ich nicht viel Geld in die Sache stecken wollte und mir für eine „richtige“, aber auch kostspielige, automatische Bewässerung per Tropfschlauch o.ä. auch ein Wasseranschluss aus dem Balkon fehlt. Aber ich denke, die Nachbarn fragen ist auch einfach die kostengünstigere und sozialere Variante – und sofern man einen netten Menschen neben sich wohnen hat, so kommt er dieser Aufgabe auch gerne nach.

Das neue Bewässerungsequiment besteht aus zwei Bewässerungstanks, die man an Blumentöpfe hängen kann und aus denen ein Docht in die Erde führt, der nach Bedarf Wasser aus dem Tank zieht. Außerdem habe ich mir Kunststoffspitzen zum Aufschrauben auf Plastikfalschen gekauft. Sie sind günstiger als die Blumatspitzen – mit denen ich allerdings sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Kunststoffspitzen sind im Allgemeinen zwar recht umstritten und es gibt sie in diversen Varianten. Nachdem ich im letzten Jahr einfach auf eine Anleitung im Netz hin Kunststoffflaschen mit Löchern im Deckel in die Erde gesteckt hatte und das nur ziemlich unzuverlässig bewässert hat (zwischen „schnellem Auslaufen“ und „es kommt kein Wasser raus“ war alles dabei), möchte ich aber nun diese Version mal austesten. -Testberichte folgen dann in Kürze, sobald ich erste Erfahrungen gemacht habe.

Und abschließend ein Appell zu diesem Sonntag: Ich hoffe ihr ward heute auch alle brav wählen?! – Alle Pflanzen- und Tierfreunde sollten wirklich hingehen und ihre Stimme gegen das TTIP bzw. für sozialverträgliche und umweltfreundliche Parteien in die Wagschale werfen.

 

Im Anzuchtfieber.

Die ersten Aussaaten, die ich seit Anfang Februar mit verschiedenen Chilisorten begonnen habe, scheinen soweit erfolgreich zu verlaufen. Erfolgreicher als erwartet – meine (erstmals) selbst geernteten Chilisamen habe ich vorsichtshalber am 03.02. immer zu zweit in die Kokostöpfchen gesteckt und nun standen in jenen Töpfchen häufig zwei Keimlinge, die gerade ihre ersten richtigen Blättchen bekommen. Daher habe ich sie heute kurzerhand vereinzelt und in kleine Tontöpfe gesetzt, um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig „bedrängen“.

Keimlinge[Chili- und Erdbeerpflänzchen verschiedener Aussaten seit dem 03.02.]

Basilikumkeimlinge[Zitronenbasilikum vom letzten Jahr & Basilikum vom  Balkongärtner Marcel aus der Samenration – Aussat vom 20.02.]

Als Erde für die Chilijungpflanzen kam heute erstmals die von  mir im Netz bestellte Kokoserde zum Einsatz. Hierzu werden die gepressten Kokostabs mit 2-3 Liter lauwarmem Wasser übergossen und…

Quelltab

QuelltabII…im Anschluss hat frau lockere, leider aber recht nasse Erde, mit denen frau alle Töpfchen auffüllen kann, denen frau habhaft wird. Schön ergiebig – schade nur, dass frau sie im Ganzen übergießen muss, da sie so massiv sind. Ich habe nun also noch jede Menge nasse Kokoserde in der Küche stehen. Aber gut, dann werde ich den Rest des Tabs dieser Tage dafür nutzen, die Balkontöpfe für die kommende Gartensaison vorzubereiten. In Zukunft verlager ich die Erdenproduktion auch lieber gleich nach draußen – es war doch arg matschig und so musste ich danach erstmal die Wohnzimmerecke putzen.

Pikierte Chilis und Basilikum[vereinzelte Chilipflänzchen neben dem offenen Zimmergewächshaus]

Ausgesät habe ich in diesem Februar auf der Fensterbank:

  • Chili und Erdbeeren (seit 03.02.)
  • schärfere Gewürzpaprika (seit 16.02.)
  • Salbei und Basilikum (seit 18.02.)
  • Tomaten (seit 22.02.)
  • Schwarzäugige Susanne und Ananaskirsche (seit 25.02.)

Ich arbeite bei der Anzucht mit zwei Gewächshäusern. In einemdürfen die Samen in kleinen Kokosquelltabletten keimen. Sobald die Pflänzchen dann die Köpfchen aus der Erde stecken, siedel ich sie in das zweite Zimmergewächshaus über, in dem die Jungpflanzen sich weiter entwickeln dürfen. Während ich bei erstem Gewächshaus besonders darauf achte, dass dieses immer warm steht – steht das zweite immer am sonnigsten Ort der Wohnung, also am Südfenster, und wird auch öfter belüftet oder ganz von der Haube befreit. Zudem habe ich vor wenigen Tagen auch angefangen, die Chilikeimlinge, die nun über zwei Wochen alt sind, mit organischem, niedrig dosierten Dünger speziell für Jungpflanzen zu versorgen, da die Kokostabs nicht vorgedüngt sind. So versuche ich, den Bedürfnissen der Pflanzen in verschiedenen Stadien gerecht zu werden.

Draußen auf dem Balkon fängt übrigens der Eichenblattsalat (Aussaat 05.02.) schüchtern an zu keimen. Ich freu mich auf frisches Grün. Anschaulicher ist da schon der Bärlauch, der sich nachwievor beim Wachsen zuschauen lässt. Hier ein paar Impressionen von heute.

Bärlauch

Bärlauch_Nahaufnahme[Unermüdlich schiebt der Bärlauch seine Blätter aus der Erde.]

Gartenjahr No. 1: Obst und Gemüse auf dem Nord(west)balkon.

In Teil 2 meiner Reihe, in der ich zurückblicken möchte auf meine ersten Anzucht- und Kultivierungserfahrungen in meinem ersten Jahr als Balongärtnerin, geht es heute um Obst, Salat und Gemüse im weitesten Sinne auf meinem nur sehr begrenzt sonnigen Nordwestbalkon.

IMG_0658

[Ernte – Chili, Gurke und Ananaskirsche]

Im Frühjahr fanden zunächst Salat und Radieschen ihren Weg in meine Balkontöpfe. Als Samen habe ich Radieschen „Helios“ (gelbe Sorte) und Radies „Flamboyant 3“ erstanden. Die Ergebnisse waren noch relativ übersichtlich. Zwar sind alle Aussaaten gut gekeimt, aber von den „Helios“ konnte ich nur einen Teil ernten, der Rest ist geschossen, ohne ansehnliche Knollen wachsen zu lassen. Sie haben dann aber ganz nett geblüht und Samen angesetzt, die ich sammeln konnte, da die „Helios“ sortenfest sind. Die Radies sind hingegen etwas besser gewachsen, haben aber relativ lange gebraucht, um groß zu werden. Ob es an meiner Ungeduld oder ab Schatten lag? – Ich versuche es im nächsten Jahr bestimmt nochmal.

Radies[Radies aus dem Balkonkasten]

Sehr gut gewachsen ist im Frühjahr und jetzt im Herbst durch Selbstaussat der Kubaspinat. Er ist sehr unkompliziert und man kann ihn Salaten beimischen. Leider ist er relativ geschmacksneutral, wie ich finde. Auch meine regelmäßigen Salataussaaten („Australische Gele“, „Eichblattsalat“, „Amerikanischer Brauner“ und ein bunt gemischtes Saatband mit Pflücksalaten) sind relativ langsam und überschaubar gewachsen. So einiges konnte ich dann aber doch ernten, so dass ich es nächstes Jahr wieder versuchen werde. Vor einigen Wochen habe ich schließlich Feldsalat einen Versuch mit Feldsalat gemacht. Er steht noch recht klein in zwei Töpfen – aber ich werde ihn weiter beobachten, vielleicht braucht er einfach noch ein bisschen. Allein an der Aussaat von Gutem Heinrich im Herbst bin ich bisher gescheitert  – er ist bisher garnicht gekeimt.

Pflücksalat

[Blattsalat im Blumentopf]

Kommen wir nun zum Gemüse. Dieses Jahr habe ich Tomate „Vilma“, Mangold „Bright Lights“, Gurke „Miniature White“, Chili „Basket of Fire“, Spargelerbse und Erdbeerspinat ausgesät. Meine ersten Anläufe in der Tomatenzucht waren ernüchternd. Die Pflänzchen sind zunächst ganz gut gewachsen, später aber alle wieder eingegangen. Ich hatte in jener Zeit einen heftigen Trauermückenbefall in meiner Wohnung, den ich mit Nematoden & co. versucht habe zu bekämpfen. Ich glaube die Tomaten sind diesen zum Opfer gefallen – eine andere Erklärung habe ich bisher nicht gefunden. Da ich  nun neue, robuste Tomatensorten aus der Samenrotation habe, versuche ich es in ein paar Monaten aber nochmal aufs Neue.

Die Spargelerbsen sind sehr gut gewachsen und durften auf meinem Balkon an einem Bambusrankgitter hochwachsen. Nach einer schönen Blüte haben sie auch nach und nach immer mehr Früchte angesetzt. Dann kamm jedoch der Rost und eine längere Abwesenheit meinerseits – das war leider ihr Todesurteil. Schade, aber auch hier werde ich es nochmal versuchen. Spargelerbsen sind zwar klein und man braucht schon ein paar, um damit etwas kochen zu können, aber ich fand sie angebraten sehr lecker.

Ernte_Spargelerbsen

[Spargelerbsenernte]

Der Erdbeerspinat ist gut gewachsen und hat viele Früchte angesetzt. Leider wurde er enorm von Minierfliegen zerfressen, so dass ich von dem Blattgemüse kaum etwas hatte. Die Früchte waren aber ziemlich dekorativ. Ob er nochmal in meinem Topf kommt, nachdem er mir soviel Kummer bereitet hat, bezweifel ich im Moment aber noch.

Erdbeerspinat[Erdbeerspinat im Balkonkasten]

Der Mangold „Bright Lights“ ist als kleine Pflänzchen nach der Direktaussaat auf meinem Balkon ebenfalls ständig von Minirfliegen zerfressen worden. Ich hatte ihn schon abgeschrieben, doch dann hat er es doch noch geschafft. Die Minierfliegen haben irgendwann aufgegeben und er konnte noch zu ansehnlicher Größe heranwachsen, so dass ich ihn auch in der Küche verarbeiten konnte. Erstaunlich ist nur, dass die ersten Blätter noch rote und gelbe Stängel hatten (wie die Pflanzen auf der Verpackung), während die Stengel, die es schließlich geschafft haben, nurnoch weiß waren. Also nichts mit „Bright lights“ und Farbe im Topf, aber ich habe ihn auch so gerne gegessen.

Mangold

[Mangold „Bright Lights“]

Die Gurke „Miniature White“ hat es bei mir auch erst bei einer Direktaussaat im Juni auf dem Balkon geschafft. Zuvor war sie mir zweimal als kleine Pflanzen in meinem Wohnzimmer eingegangen (vielleicht auch hier die Trauermücken?). Auf meinem Balkon hat sie mir dann aber noch große Freude gemacht und einiges an Früchten produziert. Im Herbst hat sie allerdings Mehltau angesetzt – aber da die Gartensaison gerade zu Ende ging, war das weniger schlimm.

Erste Gurkenernte

[Gurke „Miniature White“]

Und schließlich waren da noch die Chilipflanzen. Aus meiner Aussaat gingen zwei robuste Pflanzen hervor, die gut gediehen und jede Menge Früchte ansetzten. Sie haben eigentlich die ganze Saison an meinem Südfenster in meinem Wohnzimmer gestanden und sind dort gut gediehen. Schließlich haben sie aber Spinnmilben bekommen und ich habe sie öfter im Regenwetter rausgestellt und auch mit einem biologischen Bekämpfungsmittel dagegen behandelt. Die stärker befallene Pflanze hat dann auch lange Zeit draußen gewohnt. So richtig losgeworden bin ich den Befall aber nicht, so dass die Pflanzen zurzeit nach und nach eingehen. Da sie mir bis zum heutigen Tag aber viele Früchte und viel Freude bereitet haben, empfinde ich das nicht so schlimm – sie sind eh als „einjährig“ deklariert und ich versuche es mit der Chilizucht im nächsten Jahr einfach nochmal.

Errötende Chilis

[Die ersten, reifenden Chilis 2013]

Als Süßes zum Naschen habe im Frühjahr Saattütchen von Ananskirsche „Aunt Molly“, Chichiquelite, Kaktusfeige (Indoorpflanze) und Heidelbeere erstanden. Ich war mir unsicher, was auf meinem Balkon wachsen würde und habe versucht nicht zu große Pflanzen als Saatgut zu erstehen, die auch Schatten vertragen. Ein absoluter Erfolg war die Kultivierung der Ananaskirsche. Ich habe sie etwas spät auf den Balkon ausgepflanzt, weil ich Angst hatte, das es ihr dort zu schattig ist. Indoor haben die Pflanzen aber ebenfalls Spinnmilben bekommen, draußen waren sie hingegen absolut robust und schädlingsfrei. Dort sind die Pflanzen dann auch enorm gewachsen und haben viele Früchte angesetzt. Nach und nach sind sie abgereift, ein großteil der Früchte wurde aber vom Wintereinbruch überrascht. Ich denke ich muss sie nächstes Jahr früher auspflanzen, wenn es das Wetter zulässt.

AnanaskirschenII

[Eine Ananaskirsche …]

Die Kaktusfeige war in der Anzucht etwas träge und widerspenstig, aber mitlerweile stehen an meinem Südfenster zwei kleine Kakteen und ich bin gespannt, ob sie weiterhin gedeihen. Früchte wird es wohl erst auf lange Sicht geben, da die Pflänzchen noch viel zu winzig sind. An der Aussaat von Heidelbeere und Chichiquelite bin ich vorerst gescheitert – beide wollten einfach nicht keimen. Vielleicht muss ich mich da nochmal stärker einlesen und schauen, woran es hängt.

Kaktusfeigenkeimlinge

[Kaktusfeigenkeimlinge – einige Wochen nach der Aussaat]

Fazit: ich habe viel anzüchten und wachsen lassen – erstaunlich viel, wenn ich bedenke, dass ich vorher so garkeinen grünen Daumen hatte. Was Pflege und Wissen um die Pflanzen angeht, habe ich aber sicherlich noch „Luft nach oben“, so dass ich in den nächsten Jahren vielleicht noch erfolgreicher Gärtnern werde. Das Bild dieses Jahr war ziemlich durchmischt, aber im großen und ganzen hat es mir großen Spaß gemacht.

Allmählicher Verfall.

Nun ist es also soweit. Das kalte Wetter hat uns im (Würge)Griff. Und das geht natürlich auch an meinem Balkontopfgarten nicht unbemerkt vorbei. In den letzten Tagen kam leichte Trauerstimmung auf, als ich zunächst das eiserne Balkongitter gewaltsam mit einem Messer von der dahinwelkenden Kapuzinerkresse befreite und im Anschluss die Ananaskirsche mit ihren schon arg hängenden Ästen und erfrorenen Blättern niedermetzelte. Sie trug noch jede Menge Früchte, die das Reifestadium nie erreichen durften. Und auch die Fleißigen Lieschen in der Blumenampel sehen arg zerrupft aus und werden bald das Zeitliche segnen.

IMG_3637_kleinAdé, schöner erster Sommer auf meinem Balkon. Ich vermisse dich jetzt schon – bei diesem eklig kalten und regnerischen Wetter. Aber noch bleibt mir viel Grün aus meinem Balkon. Meine Kräuter schauen unbeeindruckt dem verregneten Himmel entgegen. Die Orangengewürztagetes blüht unerschrocken vor sich hin. Und neue Saaten sind aufgegangen: junger Kubaspinat und Feldsalat arbeiten sich im Schneckentempo einer ansehnlichen Größe entgegen.

Und einen großen Trost gibt es schließlich: in 2-3 Monaten lässt es sich schon wieder im Zimmergewächshaus der neuen Gartensaison entgegenarbeiten.

Des Gärtners Aufräumwut?!

Seit einiger Zeit lese ich mich nun dann und wann durch Garten- und Balkonblogs und bin nach meiner ersten Gartensaison auf meinem eigenen Balkon etwas irritiert über so manche Aufräumwut der Balkon- und Garteninhaber. Nun ist es also Oktober. Als Neuling war ich davon ausgegangen, dass die Gartensaison nun schon lange zu Ende sein und in meinen Kübeln nurnoch vertrocknete Stengel stehen würden. Aber von einem Erfrieren und Sterben sind meine Kübelpflanzen noch weit entfernt. Die fleißigen Lieschen, die Ringelblumen, die Orangentages und die Kapuzinerkresse blühen noch immer fleißig. Blutampfer, Schnittsellerie und Pfefferminze treiben weiter aus. Und selbst der Stielmangold, der mir in einem Buch als kälteempfindlich beschrieben wurde und den ich daher vor einigen Wochen schonmal vorsichtshalber ziemlich radikal abgeerntet hatte, wächst weiter – wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo wie den Sommer über. In manchen Töpfen sind gerade neue Saaten (v.a. Feldsalat) aufgegangen, der aber nur langsam wächst. Natürlich finden sich hier und da erste gelbe Blätter – zum Beispiel an der Ananaskirsche, die aber trotzdem das Blühen nicht einstellen will.

Organentagetes

Aus diesem Grund möchte ich hier in aller Deutlischkeit schreiben, dass ich entschlossen bin dieses Begrünungsprojekt in diesem Jahr bis zum bitteren Ende durchzuziehen: Hier auf meinem Balkon wird nicht ausgerissen, ausgeleert und in den Keller geräumt, um dem Winter kampflos das Feld zu überlassen. Nein, auch das Vergehen wird hier akribisch begutachtet und dokumentiert. Und jede letzte Blüte und jeder junge Austrieb wird bejubelt und angefeuert. Der letzte Winter war schließlich lang und trist genug. Solange noch irgendwas auf meinem Balkon wächst dieses Jahr, soll es wachsen dürfen. So schaue ich nicht nur auf die fast schon kahlen Bäume vor meinem Fenster, sondern auch noch immer auf grüne Blumentöpfe. Die winterliche Tristesse hat hier keinen Platz und das ist auch gut so.

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Herbstwochenende,

Staphylea