Des Gärtners Aufräumwut?!

Seit einiger Zeit lese ich mich nun dann und wann durch Garten- und Balkonblogs und bin nach meiner ersten Gartensaison auf meinem eigenen Balkon etwas irritiert über so manche Aufräumwut der Balkon- und Garteninhaber. Nun ist es also Oktober. Als Neuling war ich davon ausgegangen, dass die Gartensaison nun schon lange zu Ende sein und in meinen Kübeln nurnoch vertrocknete Stengel stehen würden. Aber von einem Erfrieren und Sterben sind meine Kübelpflanzen noch weit entfernt. Die fleißigen Lieschen, die Ringelblumen, die Orangentages und die Kapuzinerkresse blühen noch immer fleißig. Blutampfer, Schnittsellerie und Pfefferminze treiben weiter aus. Und selbst der Stielmangold, der mir in einem Buch als kälteempfindlich beschrieben wurde und den ich daher vor einigen Wochen schonmal vorsichtshalber ziemlich radikal abgeerntet hatte, wächst weiter – wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo wie den Sommer über. In manchen Töpfen sind gerade neue Saaten (v.a. Feldsalat) aufgegangen, der aber nur langsam wächst. Natürlich finden sich hier und da erste gelbe Blätter – zum Beispiel an der Ananaskirsche, die aber trotzdem das Blühen nicht einstellen will.

Organentagetes

Aus diesem Grund möchte ich hier in aller Deutlischkeit schreiben, dass ich entschlossen bin dieses Begrünungsprojekt in diesem Jahr bis zum bitteren Ende durchzuziehen: Hier auf meinem Balkon wird nicht ausgerissen, ausgeleert und in den Keller geräumt, um dem Winter kampflos das Feld zu überlassen. Nein, auch das Vergehen wird hier akribisch begutachtet und dokumentiert. Und jede letzte Blüte und jeder junge Austrieb wird bejubelt und angefeuert. Der letzte Winter war schließlich lang und trist genug. Solange noch irgendwas auf meinem Balkon wächst dieses Jahr, soll es wachsen dürfen. So schaue ich nicht nur auf die fast schon kahlen Bäume vor meinem Fenster, sondern auch noch immer auf grüne Blumentöpfe. Die winterliche Tristesse hat hier keinen Platz und das ist auch gut so.

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Herbstwochenende,

Staphylea

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Urban Gardening II: Die Mannheimer „Neckargärten“.

Als ich heute an diesem fast wieder spätsommerlichen, sonnigen Tag über den großen Mannheimer Krempelmarkt schlenderte, hatte ich Lust, auch nochmal einen Abstecher zu den Neckargärten zu machen – die man ohnehin kaum ignorieren kann, wenn man mit der Bahn vom Neuen Meßplatz wieder zurück in die Innenstadt fahren möchte. Ich hatte das Urban-Guardening-Projekt, das nun schon seit mehreren Jahren in der Neckarstadt angesiedelt ist, im Frühling schon einmal besucht – damals war der Garten aber noch karg und ließ noch kaum erahnen, wie schön er einmal werden würde in diesem Jahr.

Heute jedoch, auch wenn der Herbst uns schon länger im Griff hat, macht der Garten noch einen prächtigen, verträumten Eindruck.

Neckargarten_1

Neckargarten_2

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Neckargarten_4

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Die Gartengruppe scheint sich in den letzten Jahren richtig gut eingelebt  – und viel Arbeit in den Garten gesteckt zu haben. Es gibt einen Bauwagen und Sitzmöglichkeiten, Hochbete, einen Wassertrank mit Gießkannen, Insektenhotels und sogar selbstgebaute Vogelscheuchen. Obwohl der Herbst nun schon länger Einzug gehalten hat, ist alles noch erstaunlich grün und zugewachsen. – Und auch die Obdachlosen der Stadt mögen den Garten und beschlagnahmen die ein oder andere Bank (- und lästern und lachen über mich, während ich Fotos mache). Aber was solls: Der Garten ist für alle Bürger zugänglich, so die Idee des Vereins, also auch für sie. Und man kann nur allzugut verstehen, dass sie auch gerne im Grünen zwischen Gemüse und Blumen sitzen.

Das Gartenprojekt hat auch seine eigene Homepage, die jedoch in diesem Jahr kaum unterhalten wurde – es gibt daneben aber ein Forum und eine Facebookseite, auf der Neuigkeiten gepostet werden. Vor Ort merkt man, dass die Arbeit des Vereins um so leidenschaftlicher in das von der Stadt gepachtete Grundstück – zuvor eine unschöne Brache – fließt. Ich selbst habe auch schonmal mit dem Gedanken gespielt, mitzugärtnern – allein der Weg ist für mich im Alltag zu weit, da ich in einer ganz anderen Ecke der Stadt wohne. Heute habe ich allerdings wieder gemerkt, wie sehr es mich reizen würde, ist so ein Garten doch einfach was ganz anderes, als mein kleiner Balkon mit seinen Töpfen.

Mitmachen kann in den Neckargärten übrigens jeder, der Lust und Zeit dazu hat: Man kann wahlweise an einzelnen Pflanzaktionen teilnehmen und den Verein unterstützen, auch ohne selbst Mitglied zu sein. Oder mann kann dem Verein beitreten, sich an der Pacht des Grundstücks mit einem kleinen Beitrag beteiligen, und dann sein ganz eigenes Beet bestellen. Antreffen kann man die Gärtner auf jeden Fall immer Sonntags – aber sicherlich auch zwischendurch, wenn man die Augen offen hält.

Ich wünsche ein schönes, sonniges Restwochenende,

Staphylea

Offiziell Mundräuberin.

Nachdem ich bereits letzte Woche mit dem Gedanken gespielt habe, unter die Mundräuber zu gehen, habe ich letztes Wochenende endlich die Zeit und passende Gesellschaft für erste Streifzüge gefunden. Gestern haben wir – das heißt der allseits bereite Herr K. und ich – zunächst am Mainzer Naturschaugarten die dortigen Walnussbäume in Augenschein genommen und erfreut festgestellt, dass es hier noch einiges zu sammeln gibt. Sicherlich wäre dort noch mehr zu holen, wenn man sich die Mühe machen würde den Boden weiter abzusuchen – aber Eichhörnchen & Co. übernehmen diese Arbeit sicher auch noch gerne in diesen Wochen.

Anschließend haben wir einen (Familien-)Ausflug in den Taunus gemacht – inklusive eines Abstechers nach Wiesbaden zu einigen Mundräuber-Obstbäumen. Zunächst hatten wir einen Birnbaum anvisiert, doch mussten wir feststellen, dass sich dieser in einem privaten, gut eingezäunten Vorgarten befand. Da wir unsicher waren, ob die Birnen überhaupt etwas taugten und uns eigentlich mehr nach „durch verlassene Obstwiesen streifen“  als nach „in engem Vorgarten Birnen unter den Augen des Besitzers ernten“ war, haben wir die Birnen doch hängen gelassen und unsere Räubertour im Stadtteil fortgesetzt. Wir stießen ein paar Straßen weiter – dank der Mundraubkarte – auf eine ganze Reihe von alten, verlassenen Obstbäumen, die leider in einem schlechten Zustand sind. Dennoch: Eine Reihe von Apfelbäumen trägt noch eine ganze Menge Früchte, so dass wir uns hier nach Herzenslust bedienen konnten. Mit zwei Tüten Äpfeln bestückt setzten wir schließlich unsere Reise in den Taunus fort.  (Für weitere Räuber lohnt sich der Besuch dieser Bäume übrigens auch noch.)

Äpfel

Abends sind wir dann noch spontan am Mainzer Bahnhof vorbei, haben eine Tüte Mehl und ein paar Eier gekauft  und haben später ein großes Blech Apfelkuchen in den Ofen geschoben. – Leider, so muss ich mir rückblickend eingestehen, haben wir vor lauter Euphorie in Bezug auf die Äpfel, ein bisschen wahllos zugefriffen und geerntet. So haben wir zu Hause feststellen müssen, dass nicht alle Sorten der Äpfel so gut schmecken und einige auch schon Bewohner hatten. Manch ein Apfel hatte auch schon ordenlich Macken bekommen durch den Transport. Vielleicht brauchen wir einfach noch ein bisschen Übung im Mundräubern, wir langjährige Stadtbewohner.

Heute habe ich dann kurzer Hand jene Äpfel, die in einem schlechten Zustand waren, für ein Saftexperiment genutzt. Saft herstellen ohne Entsafter hat sich natürlich, wie voraussehbar, als suboptimal herausgestellt. Dennoch hat es Spaß gemacht, es ist lecker und ich habe einige Äpfel noch verwerten können. Das Rezept habe ich leicht abgeändert: Ich habe noch eine gesammelte Quitte und statt Zucker ein bisschen Honig hinzugegeben. Für den Rest der Ernte werde ich mir dann noch was anderes einfallen lassen – einfach öfter mal einen Apfel essen, das wird wohl das beste sein! („An apple a day, keeps the doctor away…“)

Herr K. und ich halten abschließend fest: Sich die Natur mit ihren vorhandenen Ressourcen (dort wo es erlaubt ist und ohne zu stehlen!) zurückzuerobern und die Herbsttage für lange Spaziergänge und Obst-, Kräuter- oder Pilzernten zu nutzen macht Spaß und ist gut gegen Herbsttristesse.

Aufruf zur Samenrotation!

Die SAMENROTATION, die LinaLuna 2012 initiierte, ist nun weitergewandert und wurde dieses Jahr mit ihrer freundlichen Genehmigung vom Balkongärtner ausgerufen.

Samen_Organengewürztagetes

Und was ist nun eine Samenrotation?

Es ist Befreiung von Altlasten – Befreiung von Saatgut, dass im Schrank vertrocknet, weil der Platz nicht reicht. Es ist Spiel und Spannung – man weiß schließlich nie, was einen mit der nächsten Post erwartet. Und es ist eine Wohltat und Inspiration für die Artenvielfalt im eigenen Balkonkübel. – Kurz gesagt: es ist wie Weihnachten für den Hobbygärtner, Pflanzenliebhaber oder ökologischen Selbstversorgerbalkoninhaber…

Und deswegen: hier lesen und mitmachen!

Von Jägern und Sammlern.

Kürzlich bin ich auf die Aktion „Mundraub“ gestoßen. Die Initiative erinnert an Kindertage, als ich auf den Streuobstwiesen meiner Großeltern Äpfel, „Quetschen“ (Zwetschgen), Kirschen und Co. ernten durfte. Und selbst Weihnachten gab es noch (zwischenzeitlich eingefrorene) frisch aufgebackene „Quetschentarte“ von Oma. Mit viel Zucker und Sahne. Ländliche Iylle?

Dank Mundraub geht das nun auch im städtischen Raum. Fasziniert von der Idee, Obstbäume und – sträucher, die verweist sind, von Bürgerseite zurückzuerobern und brach liegende Nahrungsressourcen wieder zu erschließen, habe ich mich gleich angemeldet. Wenn man ein bisschen auf Zack ist, was Erntezeiten und Standorte angeht, kann man dort ganz legal frisches Obst ernten „für lau“. Selbstentdeckte Bäume und Sträucher können geteilt und im Jahresverlauf gemeinsam beerntet werden. Die Initiative setzt sich auch für die Bewahrung und Pflege von Obstbäumen auf öffentlichem Gelände ein.

Und da die Beschäftigung mit den Mundräubern soviel Lust aufs Sammeln gemacht hat, ging es gestern erstmal im Sonnenschein in den Wald. Und wir waren erstaunlich erfolgreich: Abends gab es eine Steinpilzsoße zum veganen „Schnitzel“. Und heute habe ich erstmals eigenhändig gesammelte „Keschde“ (pfälzisch = „Esskastanien“) selbst geröstet.

SteinpilzeKeschde