Scharf.

Trotz des ekligen Wetters (oder eigentlich aufgrund meiner Herkunft korrekt: „trotz dem ekligen Wetter“ (rheinischer Dativ)) erfreut mich die Spargelerbse heute mit ersten Blüten. Dann hoffen wir jetzt nur, dass sich auch ein Insekt der Blüte annimmt…ich überlege schon, ob es was bringt, wenn ich die Tage mal den Pinsel schwinge. Ich fände es schade, wenn die Pflanze jetzt keine Früchte entwickelt und ich traue dem Insektenvolk dieses Jahr einfach noch zu wenig über den Weg. Zunächst erfreue ich mich aber mal an den violett-roten Blüten auf meinem Balkon.

SpargelerbsenblüteI

SpargelerbsenblüteII

Und Chili Nr. 2 und 3 mussten nun einfach geerntet werden – sie dienen heute als Mitbringsel. (Sie sahen an der Pflanze schon so reif aus, aber vielleicht hätten sie auch noch 1-2 Tage brauchen können, sie sind an manchen Stellen noch nicht so richtig rot. Da ist wohl die Ungeduld mit mir durchgegangen.)

Chilis

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Blütenpracht.

Meine selbst ausgesäte Zinnie hat es schließlich geschafft – und sie blüht in meinen Augen wunderschön…

ZinnienblüteII

Ein wirklicher Hingucker in meinem Balkonkasten. Gerade bei diesem wolkig, kühlen Wetter.

Weiteres Highlight meines Tages war es, dass ich meine erste rote Chili ernten konnte. ich habe sie dann in einem Kirchererbsencurry verarbeitet. Lecker!

Gar wunderliche Blütenentwicklung.

Meine Zinnie, die ich vor einigen Wochen in einen Blumenkasten auf den Balkon ausgesiedelt hat, nachdem sie im Frühjahr nur in Zeitlupe gewachsen ist, setzt nun Knospen und Blüten an. Erstaunlich finde ich dabei die Blütenentwicklung nach dem Öffnen der Knospe, die ich in der Form noch nicht beobachten konnte…

Zinnie

  Meine Zinnie im Blumenkasten (daneben meine kleine „Bienentränke“).

Zinnie_Knospe

Junge Knospe…

Zinnie_Blütenentwicklung

…und eine sich entwickelnde Blüte.

Meine Zinnie hat übrigens nun auch Rost angesetzt. Ich habe die befallenen Blätter abgenommen und hoffe, dass sie trotzdem noch blüht, ehe der Pilz überhand nimmt. Ich würde sie ungerne einfach entsorgen, da ich sie ja selbst aus Samen angezogen habe.

Verheißungsvolle Frucht.

Die erste Frucht meiner Ananaskirsche ist erkennbar herangewachsen und sorgt bei mir für gute Laune.

AnanaskirschenII

Ananaskirschfrucht

Und da sie weiter blüht und kleine Lampions ansetzt, freu ich mich schon, auf die erste Ernte…

Bienen & Co. im Streik?

Wenn ich auf meinem Balkon sitze, dann habe ich öfter das Gefühl, dass nur relativ wenige Insekten den Weg zu meinem Balkon finden. Frau Hummel habe ich einmal etappt, wie sie über den Balkon dahin summte. Ein Falter hat den gestrigen Tag an einem meiner Tischbeine verbracht und an einzelnen Trauermückenfamilien scheint es auch nicht zu mangeln. Aber im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass es mit der Befruchtung meiner Blüten nicht so gut aussieht.

Dabei habe ich schon diversen duftenden Kräutern auf meinem Balkon ein neue Heimat gegeben. Der Thymian und mein Kubaspinat blühten in den letzten zwei Monaten ausgiebig – ebenso der Bärlauch. Und nun blühen ein paar Radieschen. Außerdem bereiten sich meine Zinnie, meine Spargelerbsen, meine Zitronenmelisse und  mein Erdbeespinat gerade auf die Blüte vor. Kapuzinerkresse, weitere Kräuter und meine Spargelerbsen werden hoffentlich in Kürze folgen. Außerdem habe ich eine kleine Bienentränke installiert (eine flache Wasserfläche mit Steinen), um Insekten anzulocken. Aber all das hat bisher wenig Erfolg. Oder bekomme ich das einfach  nur nicht so mit? Ein Bienenhotel an meiner Hauswand anzubringen, davor scheue ich mich noch, schließlich will ich ja draußen auch noch sitzen, essen und trinken können.

Meine Samenausbeute aus dem Kubaspinat war zwar ganz gut – nur dass die Pflanze alles von sich schmeißt und zwar oft, bevor ich zum Einsammeln komme. Der Bärlauch hat jedoch kaum Samen angesetzt. Und nun frage ich mich, ob die Radieschen es überhaupt soweit bringen werden, mich mit „Nachwuchs“ zu beglücken. Welche Insekten ich mit den jeweiligen Blüten eigentlich anlocken müsste, darüber bin ich mir natürlich auch garnicht im Klaren. Aber ich könnte es verstehen, wenn sie sich dieses Jahr allgemein im Streik befinden. Man denke nur an all die Nachrichten zum schlechten, stetig umschlagenden Wetter. Oder an die allgemeine Hysterie, was das Bienensterben angeht (die ich übrigens teile). Ebenso sind die Nachrichten über die Patentierung von Saatgut und den Lobbismus von Monsanto & Co. für eine Biene und ihre Insektenfreunde nicht gerade motivierend. Aus Sicht einer sozialpolitisch engagierten jungen Frau, die sich für humane und gesunde Arbeitsbedingungen in unserer Gesellschaft einsetzt, könnte ich die Kleinen also durchaus verstehen. Schließlich würde ich auch ungerne von normierten, genmanipulierten Monokulturen leben. Ebenso könnte ich als Biene die züchterischen Maßnahmen zur Gewinnung einer superproduktiven Bienenart sowie ihre Massenversklavung auf großen Plantagen nicht billigen.

Alles in allem ist der Insektenflug für mich dieses Jahr noch ein Rätsel.

Errötende Chilis.

Na, wer sagts denn. Nun werden die Chilis doch noch rot, dank der Sonne – zuvor hatten sie auch lang genug gezögert…

Errötende Chilis

Schade, dass alle neue Blüten von den beiden Pflanzen abgefallen sind. Und das Blattwerk schwächelt auch ein bisschen. Momentan versuche ich es mir Düngen einmal wöchentlich und mit mehr Wasser – aufgrund der Hitze. Ob das die richtige Taktik ist, werden wir sehen. Aber nun darf ich ja hoffen, dass ich in meiner ersten Saison als „Chiigärtnerin“ zumindest ein bisschen was ernten kann…

Wundervoll.

Balkonleben.

„Walter [Namen von der Redaktion geändert], nimm dei Händi mit!“ – Montag morgen, 9 Uhr, auf meinem Balkon. Die Stadt ist wach. Die meisten haben bereits fluchtartig das Haus verlassen, um zur Arbeit zu eilen. Auch ich muss gleich los, noch kurz tonnenweise Bücher zur Bibliothek bringen und dann zu einem „Meeting“. Zwei Etagen unter mir räumt eine Rentnerin auf ihrem Balkon die Wäsche beiseite. An ihrem Rockzipfel ein kleiner, quängelnder Junge, vielleicht 4 Jahre alt. Seine Mutter hat ihn – ein allmorgendliches Ritual – hier abgeliefert. Der Opa des Kleinen bringt ihn gleich zum Kindergarten, nur fünf Häuser weiter. Wundervolles Großstadtidyll?! – Oder vielleicht doch eher eine bedenklich traditionelle Rollenverteilung?!

Als ich im November eine Wohnung suchte, war mein wichtigstes Kriterium: ein Balkon. Und es war garnicht so leicht. Im Gebiet der „Metropolregion Rhein-Neckar“ ist die sogenannte „Wohnungsnot“ schließlich auch angekommen. Heidelberg ist bei dem stetigen Zuzug von Studenten quasi „dicht“. Also bin ich nach Mannheim ausgewichen. Was sich anbot, da ich abwechselnd in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen an meinen Projekten arbeite. Und ich fand meinen Balkon – mit einer passenden Wohnung gleich dazu. Auch wenn es viel Zeit und Initiative in Anspruch nahm. Mein Balkon befindet sich im dritten Stock eines Vielparteienhauses. Zunächst fand ich es befremdlich, eine Balkonbesitzerin unter vielen an dieser Hauswand zu sein. Ich fühlte mich geradezu beobachtet. Aber ich wusste: ich gewöhne mich dran. Die Rahmenbedingungen (Lage zum Innenhof; Ausblick auf zwei große Bäume) stimmen. Und seit ich das getan habe, sitze ich gerne draußen und lausche, was um mich herum geschieht. Soziologische Milieustudien in den Sonnenpausen. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Leute ihren „Freilauf“ nutzen.

Schräg unter mir, zwei Etagen tiefer, wohnt das eingangs erwähnte, ältere Ehepaar. Liebende Großeltern, die ihre Enkelkinder tagtäglich versorgen. („Bitte nicht vor 15 Uhr klingeln, die Kinder schlafen doch mittags!“) Der Balkon dient hier als überladene Abstellkammer. Schränke, stetig bestückte Wäscheleinen, Getränkekisten und diverse andere Dinge, die man eben mal beiseite stellt und aus Dekorationsgründen nicht im Wohnzimmer deponiert, beherrschen das Bild. Dazwischen – etwas erdrückt – ein Vogelhäuschen und ein paar bepflanzte Blumentöpfe auf dem Geländer. Manchmal sitzt meine Nachbarin draußen. Ich bin immer erstaunt, dass sie noch einen Platz findet, um Kreuzworträtsel zu lösen.

Mein Wohnhaus umfasst fünf Etagen. Meine ist die dritte. Und alle haben Balkone – manche zur Straße, manche zum Innenhof. Wie die Hühner auf der Stange, wenn man das so sagen kann. Aber ich mag es trotzdem. Ich geniesse es endlich einen Platz an der freien Luft mein Eigen zu nennen. In meinem Hör- und Sichtbereich hat das junge Paar schräg über mir gestern abend seine Mitterlalterkluft auf die Wäscheleine gehängt. Rollenspieler, schätze ich. Und der Herr ist leidenschaftlicher Fleischbruzzler auf dem heimischen Grill. – Direkt neben mir, nur durch eine metallene Stellwand getrennt, räumt meine direkte Nachbarin gegen Abend traditionell hörbar in der Küche herum. Ich habe mal heimlich um die Wand gelugt: der Balkon ist relativ überschaubar in seiner Gestaltung – ein, zwei Blumenkästen und ein paar Sitzmöbel. Aus der Wohnung dröhnt eher der Fernseher, als das ich die beiden Wohnungsbesucher auf dem Balkon plauschen höre. – Unter mir auf dem Balkon stehen zwei Farbeimer. Renovierungsarbeiten? Um ehrlich zu sein stehen diese Farbeimer schon seit Monaten da. Der Balkon sieht trist, dreckig und verstaubt aus. Er ist verweist. Sein Besitzer hat ein Luxusproblem: Er hat einen Balkon, den er garnicht nicht nutzen will. Nichtmal einen Stuhl gibt es dort. – Schräg unter mir jedoch, in Nachbarschaft zu dem verwaisten Balkon, sitzt abends des Öfteren ein Pärchen mittleren Alters. Junge Eltern. Der Mann war den Tag über arbeiten, die Frau kümmert sich um das Krabbelbaby. (Schon wieder dieser Anflug von Großstadtidyll…) Und das Baby, das krabbelt und schreit den tagüber – und manchmal darf es auf dem Balkon in einer „Bütt“ (wie die Rheinländerin sagt) baden  – und dann kichert es auch mal hysterisch …